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CD-Besprechung

Ignaz Pleyel
Preußische Quartette 7-9

Ignaz Pleyel<br />Preußische Quartette 7-9

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 30.06.08

cpo 777 315-2

1 CD • 58min • 2007

Sind wir nicht alle viel zu sehr auf Mozarts oder – „zumindest" – Haydns Seite? Diese Frage mögen sich alle diejenigen stellen, die geneigt sind, beispielsweise eine Platte mit Kammermusikwerken von einem Zeitgenossen der Wiener Klassiker wie Ignaz Pleyel als Nebensächlichkeit abzutun. Freilich halten zu Gnaden: Mit dem künstlerischen Weitblick und Timing seines Lehrers Joseph Haydn, der es stets verstand, Zeit durch Musik genial zu strukturieren, oder gar dem originellen überbordend-virtuosen Einfallsreichtum des nur ein Jahr älteren Wolfgang Amadé Mozart war der 1757 geborene Niederösterreicher nicht gesegnet. Doch können seine einfacher gestrickten musikalischen Texturen als Dokumente des eigentlichen, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vorherrschenden Kompositionsstils gelten. Den inneren Zusammenhalt eines Streichquartett-Satzes mit Hilfe des sorgfältigen Gebrauchs selbst gewöhnlicherer Motive sicherzustellen, das vermochte Pleyel allerdings.

In der Wirtschaftsbranche heißt es ja, der Markt habe immer Recht. So gesehen muss der erst 1831 verstorbene Tonsetzer und Musikalienhändler – die eher skeptische Betrachtung durch die Mozart- und Haydn-verliebte Nachwelt hin oder her – in neuem Licht gesehen werden: als erstrangiger Künstler, der seinen eigenen Weg gegangen ist, nicht über-ausgebildet war (wie Mozart) oder am Markt vorbei produziert hat (seine Duos werden noch heute von Instrumentalisten als Übungsstücke verwendet) und deswegen reichlich Erfolg hatte. Ihm wurde eine Kapellmeister-Stelle angeboten, wie sie Mozart zeitlebens verwehrt blieb. 1789 rückte Ignaz Pleyel sogar auf die musikalische Chefposition am Straßburger Münster auf, ehe er den Revolutionswirren entfloh, um sich später in Paris niederzulassen und 1807 das Unternehmen zu gründen, mit dem sein Name heute hauptsächlich in Verbindung gebracht wird: die noch existierende Klavierfabrik Pleyel.

Von den Erstlingen der 57 Streichquartette, die das Zentrum von Pleyels Schaffen ausmachen, war Mozart immerhin so beeindruckt, dass er sie mit Nachdruck seinem Vater ans Herz legte: „Wenn Sie selbige noch nicht kennen, so suchen Sie sie zu bekommen; es ist der Mühe werth. Sie sind sehr gut geschrieben, und sehr angenehm; Sie werden auch gleich seinen Meister herauskennen. Gut – und glücklich für die Musik, wenn Pleyel seiner Zeit im Stande ist, uns Haydn zu remplaciren!" (24. April 1784) Wie auch Mozart widmete Pleyel einige seiner Streichquartette dem preußischen König Friedrich Wilhelm II., einem eifrigen Cellisten. Daraus erklärt sich der Name „Preußische Quartette" für 12 von Pleyels einschlägigen Werken; drei davon – Nr. 7 in D-Dur, Nr. 8 in F-Dur und Nr. 9 in g-Moll – sind auf dieser CD in mustergültigen Interpretationen zu erleben.

Die Geigerinnen Ingeborg Scheerer und Gudrun Höbold, der Bratscher Andreas Gerhardus sowie die Cellistin Julianne Borsodi haben sich 2004 zum Pleyel Quartett Köln zusammengeschlossen, um „versunkene Schätze wieder ans Tageslicht zu holen" – wie sie im Booklet zielsicher erklären. Dass damit vor allem der Namenspatron des Ensembles gemeint ist, versteht sich von selbst. Das Erstaunliche beim Hören dieser Aufnahme liegt darin, wie gut es dem Kölner Quartett gelingt, seine Überzeugtheit von Pleyels kompositorischer Qualität in die Wiedergabe einfließen zu lassen. Da tritt gerade Pleyels Neigung zu dramatischer Harmonik und tonalen Überraschungen hervor – wie in den Kopfsätzen des F-Dur- und g-Moll-Quartetts. Und die für ihn spezifische, technisch anspruchsvolle Klangfarben-Dramaturgie wird von „seinem“ Quartett derart virtuos zum Leuchten gebracht, dass nicht der leiseste Gedanke an gefällige Gebrauchsmusik aufkommt. Solche Anwälte möchte man auch anderen, zu Unrecht im Schatten stehenden Komponisten dieser Zeit wünschen. Der nächste Schatzfund der „Pleyels“ darf also mit Spannung erwartet werden…

Richard Eckstein [30.06.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 I. Pleyel Streichquartett D-Dur Ben 337 (Preußisches Quartett Nr. 7) 00:16:32
4 Streichquartett F-Dur Ben 338 (Preußisches Quartett Nr. 8) 00:21:58
6 Streichquartett g-Moll Ben 339 (Preußisches Quartett Nr. 9) 00:19:45

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Pleyel Quartett Köln Ensemble
 
777 315-2;0761203731527

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