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DVD-Video-Besprechung

Christian Lindberg

The Total Musician
To Follow Your Own Star • Across The Pond And Beyond – The Making of Chick'a'bone Checkout • A Blast from the Past • Brassbones • Bombay Bay Barracuda

BIS 1678

1 DVD-Video • 3h 29min • 1992, 2003-2007

08.07.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Zum 50. Geburtstag des Posaunisten, Komponisten und Dirigenten Christian Lindberg hat BIS ein ganz besonderes Geschenk vorgelegt – eine mehr als dreieinhalbstündige DVD mit Clips, Aufführungen und Dokumentationen des Ausnahme-Musikers. Man tut gut daran, sich das Ganze häppchenweise anzusehen. Ein guter Einstieg ist das Portrait To follow your own star ("Seinem Glücksstern folgen"). Ein wenig befremdend wirken anfangs diverse eingeschnittene lobende Worte von Wegbegleitern, Musikern und Bekannten; es hat durchaus etwas von "Overkill", wenn man von so vielen Menschen immer wieder vorgebetet bekommt, wie vielfach begabt, kreativ und voller Energie, zugleich bescheiden und lernfähig Lindberg ist. Das hätte reduziert werden können, denn die übrigen Bilder (Lindberg bei den Proben, im Konzert, im Gespräch etc.) sprechen diesbezüglich für sich – auch wenn sie den "Stimmen" natürlich Recht geben.

Ich hatte Lindberg bis dato noch nicht als Dirigent gesehen und war bei den ersten Einstellungen einigermaßen schockiert: Mitunter krampft er den Oberkörper auf eine Weise zusammen, das einem beim Zusehen unwohl wird. Aber im weiteren Verlauf der Dokumentation erkennt man, daß auch dies ein Ausdruck der ungeheuren köperlichen Energie dieses Musikers ist, ein Teil seiner eigenwillig-eckigen Körpersprache. Selten habe ich einen Dirigenten gesehen, bei dem dies so sehr im Widerspruch steht zum musikalischen Resultat: ein immer freier, zugleich elektrisierender Orchesterklang, ob beim kleiner besetzten Swedish Wind Ensemble, beim Nordic Chamber Orchestra oder bei großen Sinfonieorchestern. Erstaunlich ist auch Lindbergs stilistische Bandbreite als Dirigent: Kurze Ausschnitte deuten an, daß er mit Mozarts Jupiter- und Beethovens siebter Sinfonie (durchaus "historisch informiert" wirkend und vor Energie berstend) ebenso zurecht kommt wie mit romantischem Repertoire (atemberaubend schön das Streicher-Impromptu von Sibelius gegen Ende) und natürlich zeitgenössischer Musik.

Ganz anders ist die zweite einstündige Dokumentation, Across the Pond and Beyond ("Über den See und darüber hinaus"), die zwischen 2003 und 2006 die Entstehung und Aufführung des Bassposaunen-Konzertes begleitet, das Lindberg für Charlie Vernon vom Chicago Symphony Orchestra geschrieben hat: Regisseur Peter Berggren arbeitet mit schnellen Schnitten, montiert immer wieder videoclipartige Szenen ein und erzielt dadurch ein ausgesprochen unterhaltsames Ganzes. Er gibt zugleich faszinierende Einblicke in die kreativen Prozesse zwischen Lindberg und dem Posaunisten, der sich das Konzert quasi auf den Leib geschneidert wünschte. A Blast from the Past enthält vier bereits 1992 aufgenommene Aufführungen (das berühmte Motorbike Concerto von Jan Sandström, Berios Sequenza V, Atem von Mauricio Kagel und Solo von John Cage), erweitert um neu aufgenommene Kommentare Lindbergs. Zum krönenden Abschluß gibt es Brassbones, ein Musik-Video in Gestalt einer zwanzigminütigen Western-Parodie von Jan-Olof Granqvist und Frerik Högberg mit Christian Lindberg und den Trompetern Håkan Hardenberger und Ole Edvard Antonsen, die zum Schiessen komisch ist. Eine derart absurde, köstliche Parodie auf seriöse, klassische Musik habe ich seit Marx Brothers in der Oper nicht mehr gesehen! Sie übertrifft noch den ebenfalls sehr witzigen, dreiminütigen Einsteiger der DVD, den Bombay Bay Barracuda, den David Lindberg in Art eines MTV-Videoclips gedreht hat. Ton und Bild der diversen Beiträge sind allesamt vorzüglich, die Navigation durch das DVD-Menü übersichtlich. Jeder Titel hat zusätzlich eine Text-Information über die Entstehung und nach dem Spiel-Ende wird man automatisch in das vorherige Menü zurückgeführt. Einen kleinen Abstrich muß man bei den Tracks bzw. Indices machen, die nirgends genau verzeichnet werden. Sie helfen allenfalls, sich durch die Titel rasch hindurch zu zappen. Ein weiteres Manko ist die Sprache: Es gibt nur Englisch und Schwedisch mit englischen Untertiteln. Der Käufer sollte des Englischen mächtig sein, um von der DVD wirklich etwas zu haben.

Dr. Benjamin G. Cohrs [08.07.2008]

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