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CD-Besprechung

Decca 476 5926

1 CD • 69min • 2006

10.12.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Eine Erinnerung. Es war beim Concours Géza Anda in Zürich. Für eine Zeitung sollte ich das Porträt eines Finalteilnehmers schreiben – kurz vor der letzten Entscheidung. Ich fragte, wer denn die grössten Chancen habe und Eingeweihte meinten sogleich: Pietro de Maria. Ich traf den jungen Italiener, wir gingen im Wald spazieren – ein offener, unkomplizierter Gesprächspartner, der locker und bemerkenswert wenig nervös wirkte. Zwei Tage später wurde er Sieger bei diesem renommierten Wettbewerb.

Das war vor dreizehn Jahren, 1994. Alle prophezeihten damals Pietro de Maria eine spektakuläre Karriere hinauf in höchste Gipfel des Starruhms. Dazu ist es nicht gekommen. Zwar konnte der Pianist eine solide Laufbahn mit Konzerten in halb Europa antreten; aber der ganz grosse Durchbruch blieb ihm verwehrt. Kommt jetzt der entscheidende Schritt? De Maria, inzwischen vierzigjährig, spielt bis Ende 2009 in verschiedenen italienischen Städten das gesamte Klavierwerk von Chopin und nimmt es parallel dazu auf CD auf. Die eröffnende Edition gilt den je zwölf Etüden von op. 10 und op. 25. Ein zwar nicht gerade wagemutiges, aber immerhin faszinierendes Unterfangen mit vielversprechendem Start.

Natürlich verfügt Pietro de Maria über die Fingerfertigkeit, die in diesen Studien (bezeichnenderweise Franz Liszt und dessen erster Lebensgefährtin Marie d’Agoult gewidmet) gefordert sind. Das muss er nicht erst demonstrieren, das ist selbstverständlich. Die Skala des Gestalterischen gibt sich weit, von der verhaltenen, träumerischen Poesie (etwa in der melancholischen E-Dur-Etüde op. 12 Nr.3) bis zum heftigen, doch unforcierten Pathos der Revolutionsetüde op. 12 Nr. 12. Irgendwie zieht’s den Pianisten, alles in allem, aber doch eher zur kraftvollen Entfaltung, am frappentesten zu spüren in den drei letzten Etüden des Opus 25, die in die Regionen des dreifachen Forte vorstossen.

De Maria erachtet das Dutzend der jeweilen unter einer Opuszahl versammelten Nummern als geschlossenen Zyklus – zwischen den einzelnen Piecen gibt es bloss eine Art Generalpause. Dies erlaubt ihm, die Kontraste zu schärfen, jähe Gegensätze fast unvermittelt in den (Klang-)Raum zu stellen. Das mag akzeptabel sein, da es zugleich erklärte Absicht bleibt, den einzelnen Baustein als eigenständiges Charakterstück zu fassen. Lieber eine Spur zuviel Dramatik als die Träne der Sentimentalität, scheint seine Devise zu lauten. Darüber hinaus gelingt ihm, der er die Gefahren und Lockungen der Routine zweifellos kennt, seine Konzeption frisch und sogar mit einem Hauch von – kalkulierter – Spontaneität umzusetzen.

Bestellmöglichkeit bis auf weiteres über:

www.discoland.com

Mario Gerteis † [10.12.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Frédéric Chopin
1Etüden op. 10 00:29:51
13Etüden op. 25 00:32:43
25Trois nouvelles études 00:05:37

Interpreten der Einspielung

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