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CD-Besprechung

Heinrich Schütz: Geistliche Chormusik SWV 369-397 (1648)

Carus 2 CD 83.232

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 24.12.07

Carus 83.232

2 CD • 1h 42min • 2006, 2007

An sorgfältigen und interpretatorisch hochkarätigen Gesamtaufnahmen von Heinrich Schütz´ kontrapunktischer, aufregend zwischen restaurativen und avantgardistischen Techniken vermittelnden Geistlichen Chor-Music 1648 hat es in den letzten zehn Jahren nicht gefehlt. Masaaki Suzuki etwa (BIS) oder auch Manfred Cordes (cpo) haben – auch noch in der Rückschau – gültige Versionen vorgelegt, die durch Detailreichtum und Einheitlichkeit überzeugten. Die Neuaufnahme des Dresdner Kammerchors unter Hans-Christoph Rademann würde daher noch an Wert gewinnen, wenn sie den Lesarten der schon etwas älteren Konkurrenz noch mehr eigene und wesentliche Facetten hinzugefügt hätte. Wenn man sie nur als Dokument der momentanen Höhe des Dresdner Kammerchores nimmt, hat diese akustisch sehr angenehm warm geratene Einspielung ihre Meriten. Der Chor erscheint sehr jugendlich, weich, dennoch textverständlich, und ausgeglichen, gerade in den Mittelstimmen; mancher könnte sich vielleicht ein größeres Gewicht der Bässe wünschen. Rademann setzt auf lebhafte Tempi, die jedoch in keinem Fall hektisch werden; es bleibt in allen Stücken der Eindruck von angenehmer Frische zurück. Auf einen vielleicht etwas oberflächlichen Grundzug von Rademanns Ansatz stößt man erst, wenn man einige Stücke in Folge hört.

Es tritt dann nämlich zutage, daß etwa die dynamische Palette beschränkt ist; ein Beispiel dafür ist die Motette Also hat Gott die Welt geliebt, in deren zweiten Teil Schütz rein strukturell Crescendi auskomponiert hat, deren potentielle Wirkungen hier unrealisiert gelassen werden. Solche klanglichen Effekte, die Schütz auch in anderen Werkzyklen sehr schätzte, werden verpaßt, weil Rademann dem vom Text gegliederten Stimmenverlauf generell ein wenig zu glatt, zu schnell, zu wenig artikuliert und damit kaum interpunktiert, folgt; auch Einschnitte und Kulminationen oder tänzerische Passagen wie in der erwähnten Motette werden nicht verwirklicht. Für ein Beispiel einer wirklich effektvoll, geradezu magisch vorgetragenen Motette höre man einmal John Eliot Gardiners Aufnahme von Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehört auf seiner mittlerweile fast zwanzig Jahren Schütz-Platte (der dann leider kaum mehr Einspielungen von ähnlicher Inspiriertheit folgten): Hier wird das Bibelwort tatsächlich in seiner ganzen Großartigkeit zum Leuchten gebracht.

Bedauerlich ist aber auch, daß Rademann generell so bescheiden im Hinsicht auf Instrumentierungen agiert. Gerade weil die Stimmen jeweils eigenständig sind, könnten – mit der barocken Praxis vollkommen im Einklang – immer wieder einmal Passagen solistisch oder instrumental ausgeführt werden, was dem umfangreichen Zyklus, in seiner Ganzheit genommen, sowohl mehr Farbe als auch mehr interpretatorische Individualität verliehen hätte.

Vergleichsaufnahme: Schütz: Musikalische Exequien; Motetten und Konzerte; Monteverdi Choir, English Baroque Soloists; DG Archiv 423 405-2

Dr. Michael B. Weiß [24.12.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 H. Schütz Geistliche Chormusik SWV 369-397 (1648)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Dresdner Kammerchor Chor
Cappella Sagittariana Dresden Ensemble
Hans-Christoph Rademann Dirigent
 
83.232;4009350832329

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