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CD-Besprechung

L.v. Beethoven

Ondine 1 SACD ODE 1099-5

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 14.09.07

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Ondine ODE 1099-5

1 SACD • 62min • 2006

Sehr genau erinnere ich mich an ein Gespräch mit Nikolaus Harnoncourt vor einigen Jahren. Er war damals auf der Suche nach einem geeigneten Solisten, nach einem Klavierpartner für die Darbietung (und im Folgenden auch für die Einspielung) der fünf Beethoven-Konzerte. Olli Mustonen, der exzentrische, hochnervöse, fantasiereiche finnische Pianist hatte es ihm angetan (oder er war ihm ganz einfach empfohlen worden…). Die ersten Dokumente vom Grazer Styriarte-Festival zeigten – für jene, die Mustonen schon des Öfteren erlebt haben – das erwartete Klang- und Bewegungsspektrum: Andauerndes Stakkato, zumindest ein schier fanatisches Unterdrücken jeglicher Legato-Kultur, insgesamt ein flackerndes, zuckendes Erscheinungsbild der Beethovenschen Proportionen. Das konnte nicht gut gehen! Und es ging auch nicht gut. Harnoncourt entschied sich etwas später für den pianistisch – zumindest im „klassischen“ Bereich – umgänglicheren Pierre-Laurent Aimard. Über diese Einspielungen möchte ich hier kaum ein Wort verlieren. Aber vielleicht wäre Mustonens ungemütlicher Akkupunktur-Ansatz doch für Harnoncourts Versuch einer neuen, unerhörten Wiedererweckung der fünf Konzerte von mehr Belang gewesen, als jene Einspielungen, die dann im musikalischen Schulterschluss mit dem an sich hochinteressanten, aber auf diesem Gebiet eher schülerhaft wirkenden Franzosen zustande gekommen sind.

Mustonen nun wagt die beiden ersten Klavierkonzerte im spielenden und quasi dirigierenden Alleingang. Niemand wird ihm drein geredet haben. Die Tapiola Sinfonietta-Musici dürften ihm ohne Widerspruch gefolgt sein, seine unzweifelhafte fingertechnische, sicher auch seine menschliche Autorität respektierend. Und dennoch zögere ich nicht, Mustonens im besten, aber auch im problematischen Sinne kleinkariertes, kurzatmiges, stichelndes Beethoven-Spiel als eine akustische Fußnote des Beethoven-Interpretierens ins Reich der liebenswerten Kuriositäten zu befördern. Dies alles wirkt in ihrer gewandten, zugleich bemühten Andersartigkeit wie ein geklontes Glenn Gould-Verfahren. Indes: es fehlt mir der Glaube, es handelte sich um ein wirkliches, grundehrliches Wollen und Müssen, Beethoven auf diese Weise Note für Note aus der Klaviatur zu stanzen, als würden Punkte, Kommata, Doppelpunkte und Semikolons wichtiger sein als jede Art der Kantabilität. Natürlich „singt“ auch Mustonen in den langsamen Sätzen, denn gelegentlich ist das ariose Potenzial der Musik so stark, so unumgänglich, dass selbst ein Prediger der kurzen, der angetupften Töne sich nicht viel anders zu äußern vermag, als das akustische Längliche, das Schmelzende wenigstens für Momente zu seinem Recht kommen zu lassen.

Wer immer sich nicht bei der Hörlektüre dieser beiden ersten Beethoven-Klavierkonzerte gediegen zurücklehnen möchte, wer immer sich irritieren, sich anderweitig unterrichten lassen möchte – der mag hier zugreifen. Das Ganze ist – und dies ist ja nicht ganz unwichtig – sehr plastisch, räumlich anschaulich eingefangen worden. Die Super Audio-CD-Möglichkeiten, hier kommen sie zum Tragen und zum Schwingen – und im Namen Mustonens auch zum Pieksen!

Vergleichs-aufnahmen: Gould (CBS, bzw. Sony), Aimard – Harnoncourt (Teldec 0927 47334 2)

Peter Cossé † [14.09.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15 00:33:19
4 Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur op. 19 00:28:12

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Olli Mustonen Klavier, Leitung
Tapiola Sinfonietta Orchester
 
ODE 1099-5;0761195109953

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