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CD-Besprechung

Jenő Hubay

Works for Violin and Piano Vol. 10

Hungaroton HCD 32452

1 CD • 70min • 2006

06.08.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Wenn Musikgeschichte sich nicht nur in Höhepunkt und Fortschritt definiert, sondern auch den real existierenden Zustand einer bestimmten Kultur und Zeit notiert, wachruft und dokumentiert, dann ist die Musik von Jenö Hubay (1858–1937) geradezu ein Modell für einen entsprechenden kulturgeschichtlichen Blickwinkel. Hubay war nicht nur ungarischer Geigenvirtuose, Komponist und gesellschaftliche Instanz als Direktor der Musikakademie von Budapest, er war auch so etwas wie ein Pop-Musiker seiner Zeit, wobei seine Musik nicht nur in Ungarn in vielfacher Hinsicht den „klingenden Alltag“ gefärbt hat. Die einfache und klare Sprache, die extrem vom Instrument her beeinflusste Art des „musizierenden“, quasi improvisierenden Komponierens und die bis ins Virtuosenfiligran reichende Formelhaftigkeit der Musik ergeben ein musikalisches Plateau, das irgendwie stets gleich bleibt und dabei doch hundertfach variiert hundertfache „Werke“ zulässt... was ja ein eigentlich ganz normaler Grundsatz bestehender Kultur ist, wenn auch, glücklicherweise, nicht der einzige. Natürlich gibt es hier, auf der mittlerweise zehnten CD mit Hubays Werken für Violine und Klavier, auch manch originelle Melodie zu entdecken, etwa im Arioso der Trois morceaux op. 10, wo Hubay einen architektonisch weit geschwungenen Kantilenenbogen exponiert, bevor er im anschließenden Danse diabolique die geigerische Trickkiste musikalischen Teufelszwirns öffnet. Und wer vielleicht noch nicht den Begriff der „Csárda-Szene“ kennt, der kann hier drei derartige „Fantasien“ hören, von denen Hubay vierzehn komponiert hat. Das politisch ja nicht korrekte, musikalisch aber doch höchst positiv belegte Wort „Zigeunermusik“ steht natürlich in jeder Sekunde und jeder Phrase im Raum, und zweifellos treffen die Interpretationen von Ferenc Szecsödi und István Kassai den Kern dieser in ihrem Schweifen und ihrer Brillanz faszinierenden musikalischen Sprache, die ja immer wieder auch Grundlage ganz „großer“ Musik wurde, wie sie sich in den hier vorgelegten Werken zwar nicht findet, wie sie aber, ohne solche „Grundlage“, auch kultur- und musikgeschichtlich gänzlich undenkbar wäre.

Hans-Christian v. Dadelsen [06.08.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jenő Hubay
1Scènes de la csárda No. 9 op. 65 (Czinka Panna's Tune, 1896) 00:08:12
2Trois Morceaux op. 10 00:07:37
5Une conte op. 15 Nr. 1 00:03:48
6Maggiolata op. 15 Nr. 2 00:06:50
7Scènes de la csárda No. 10 op. 69 (Memoirs from Szalatna, 1897/1898) 00:09:54
Henri Vieuxtemps
8Cantilena (Bearb. für Violine und Klavier) 00:06:09
Jenő Hubay
9Mazurka a-Moll op. 45 Nr. 1 00:03:14
10Mazurka g-Moll op. 45 Nr. 2 00:03:16
11Trois Morceaux op. 58 00:10:34
14Scènes de la csárda No. 11 op. 82 (The willow's withered branch, 1900) 00:03:38

Interpreten der Einspielung

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