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CD-Besprechung

Dmitry Shostakovich

SWRmusic 93.193

1 CD • 73min • 2006, 2005

07.06.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Eine wuchtige, plastische und farbige Neueinspielung der vierten Sinfonie von Schostakowitsch legt hier Andrey Boreyko mit dem RSO Stuttgart vor – in einer Interpretation, die der Größe und Vielfalt dieses so bestürzenden wie grimmigen Werkes gerecht wird. In der Klangbalance dieses Live-Mitschnitts aus der Stuttgarter Liederhalle (Sinfonie: 27. und 28. April 2006; Suite: 8.–10. Juni 2005) besticht vor allem die Breite des Klangs – nicht zuletzt, weil Boreyko die seit Roger Norrington übliche Aufteilung des Blechs mit den Hörnern links übernommen hat. Dadurch ergeben sich schöne, mehrchörige Effekte und Dialoge mit dem rechts positionierten schweren Blech. Leider nicht berücksichtigt wurde die wesentlich zum “Stuttgart-Sound” beitragende Streicher-Disposition Norringtons: Bei Boreyko sitzt das Orchester mit allen Geigen links, Celli und Bässen rechts. Dadurch fehlt dem Klang die bei Norrington charakteristische Tiefe der bei ihm hinter dem Orchester aufgestellten Bässe ebenso wie die Breite des Klangs, wenn die Geigengruppen in Oktaven geführt werden – von den Dialogen der Violingruppen zu schweigen. Das ist für diese Interpretation besonders schade, weil sich Shostakovich in der Vierten mit den Werken Gustav Mahlers auseinandergesetzt hat (insbesondere der sechsten Sinfonie). Die Faktur der Partitur bedient sich erkennbar der auch von Mahler gewünschten “Wiener Aufstellung”. Durch Boreykos Entscheidung verliert der Klang an Fülle und Räumlichkeit, und nur in reinen Streicherpassagen (wie zu Beginn von Tr. 2) sind alle Streichergruppen räumlich genau zu verorten. Die Aufnahmetechnik konnte dies alles nicht völlig kompensieren – zumal auch hier wieder eine Folge der üblichen Multi-Mikrofonierung zu beobachten ist, wobei in bestimmten, dünner instrumentierten Passagen die Holzbläser gegenüber dem Tutti ihre reale Position zu ändern scheinen: Flöten und Klarinetten klingen dann viel weiter links, Fagotte und Oboen viel weiter rechts aus dem jeweiligen Stereo-Kanal, als sie eigentlich auf dem Podium sitzen. Das ist schade, weil Boreyko und das vortrefflich musizierende Orchester die Sinfonie ungemein sorgsam ausgeleuchtet haben – eine großartige Interpretation, dramaturgisch sorgsam auf den Schluß hin disponiert (Tr. 3, ca. 21’30) mit seinem brutalen Totentanz (Anklänge an das Dies irae) und dem erschütternden, ersterbenden Epilog. Als bedeutende Zugabe erklingt eine kurze Suite, die Schostakowitsch selbst aus den Zwischenspielen seiner Oper Lady Macbeth von Mzensk zusammengestellt hatte, die jedoch offenbar verloren ging und erst kürzlich wiederentdeckt wurde. Die genauen Umstände teilt das Booklet leider nicht mit.

Dr. Benjamin G. Cohrs [07.06.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Dimitri Schostakowitsch
1Sinfonie Nr. 4 c-Moll op. 43 01:05:22
4Suite op. 29a (aus: Lady Macbeth von Mzensk) 00:07:12

Interpreten der Einspielung

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