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CD-Besprechung

J. Brahms

Zig Zag Territoires 1 CD ZZT070202

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 08.05.07

Klassik Heute
Empfehlung

Zig Zag Territoires ZZT070202

1 CD • 62min • 2006

Schnell ist man dabei, vielversprechende junge Künstler als große Talente zu bezeichnen, von denen man hoffentlich noch viel hören wird. Doch der Cellist Anthony Leroy und die Pianistin Sandra Moubarak sind mehr als das. Für Aufsehen sorgten schon die preisgekrönten Aufnahmen von Rubinstein- und Mendelssohn-Sonaten des 1998 gegründeten Duos. Mit der aktuellen Einspielung der beiden Cellosonaten von Johannes Brahms erweisen sich die zwei nun als ernst zu nehmende Musiker- und Künstlerpersönlichkeiten, die ihre Lust am Spiel mit Ernsthaftigkeit, Natürlichkeit und dem Wissen um die interpretatorischen Klippen dieser zwei Kernstücke des Cellosonaten-Repertoires in Einklang zu bringen wissen. Und sie demonstrieren mit einem unbedingten Willen zur Expressivität durchweg eine faszinierende und so nur schwer zu erreichende Verschmelzung von Violoncello und Klavier in den im Abstand von 21 Jahren erschienenen Brahms-Sonaten: Sonate e-Moll op. 38 (1866), Sonate F-Dur op. 99 (1887).

Brahms fühlte sich von der sonoren Kantabilität des Cellos sehr angesprochen und schöpfte bereits in der dreisätzigen Sonate e-Moll dessen Klangraum und Ausdrucksvielfalt voll aus (einen vierten Satz, ein an zweiter Stelle stehendes Adagio zog Brahms zurück, vermutlich, weil es keinen wirklichen Kontrast zum lyrischen Allegro non troppo des ersten Satzes bildete). Anthony Leroy geht förmlich auf in einer voluminösen und glutvollen, wo es gefordert wird aber auch in einer beinahe zerbrechlichen sowie eleganten Tonformung. Schon im wie aus dem Nichts anhebenden ersten Satz beeindrucken der Cellist und seine kongeniale Klavierpartnerin Sandra Moubarak mit einem Vortrag zwischen verträumtem Innehalten und stürmischem Drängen – ohne dass aber eine romantisch verklärte Deutung beispielsweise den Blick auf das weit ausholende Haupt- und unruhige Seitenthema sowie das detailliert gestaltete Durchführungsgeschehen trüben würde. Artikulatorisch ungemein ausdifferenziert gelingen auch der tänzerische zweite und fugierte dritte Satz. Die hoch virtuose F-Dur-Sonate gestalten die jungen Künstler mit einem ungemein energischen Zugriff in den Ecksätzen und im polyrhythmischen Allegro passionato des dritten Satzes. Zu einer Lehrstunde in meditativer Einkehr, subtiler und anmutiger Klanggebung, Sanglichkeit sowie im Sich-Zeitnehmen und Auskosten der melodischen Entwicklungen gerät dann die Wiedergabe des Werkzentrums, des langsamen zweiten Satzes – und die Wiedergabe der ebenfalls auf der CD vertretenen Bearbeitungen der Brahms-Lieder Anklänge op. 7 und Die Mainacht op. 43.

Das tiefe Werkverständnis von Anthony Leroy und Sandra Moubarak, die Art ihres bezwingend durchdachten Musizierens, ihre technische Souveränität, die Wahl der Tempi, ihre reiche Erfindungskraft oder ihr wie selbstverständlich wirkendes gemeinsames Atmen in einem an Ausdruckstiefe kaum zu überbietenden Zwiegespräch – all das zeugt von einer künstlerischen Reife, die einem nicht alle Tage begegnet. Zugegeben, solche Lobeshymnen wecken schnell Widerspruch und ein gewisses Misstrauen. Aber manchmal kann man eben nicht anders und muss im Falle von Anthony Leroy und Sandra Moubarak einfach zugeben, der elektrisierenden Spannung ihrer Brahms-Interpretationen beim wiederholten Anhören der vorliegenden CD gänzlich erlegen zu sein.

Christof Jetzschke [08.05.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Brahms Sonate Nr. 1 e-Moll op. 38 für Violoncello und Klavier 00:26:54
4 Anklänge op. 7 00:02:50
5 Sonate Nr. 2 F-Dur op. 99 für Violoncello und Klavier 00:27:44
9 Die Mainacht op. 43 Nr. 2 00:04:18

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Anthony Leroy Violoncello
Sandra Moubarak Klavier
 
ZZT070202;3760009291324

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