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CD-Besprechung

OehmsClassics OC 591

1 CD • 64min • 2005

18.05.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Ein Bad in purem Wohlklang ist sicher nicht das, was den Werken Schuberts gerecht wird, nicht seiner Kammermusik und schon gar nicht seinen Liedern. Dieser Gefahr entgehen der Bratscher Ashan Pillai und der für seine Einspielungen der Schubert-Klaviersonaten mehrfach ausgezeichnete Pianist Michael Endres allerdings nur um Haaresbreite. Beide scheinen in den oft weltentrückten und weltschmerzlichen Höhen und Tiefen der Schubertschen Musik zuhause zu sein. Und doch dominiert in erster Linie das der menschlichen Stimme nachempfundene gesangliche Moment weite Strecken ihrer Interpretationen. Natürlich kommt das der Arpeggione-Sonate, vor allem aber den fünf von Ashan Pillai bearbeiteten Liedern aus Schuberts Schwanengesang sehr entgegen. Das detaillierte Herausarbeiten der kontrastierenden Themen- und Ausdruckscharaktere dieser Werke tritt dabei jedoch gelegentlich in den Hintergrund. Trotzdem übertragen sich die Seelenzustände der ausgewählten Lieder und der emotionale Gehalt der Texte Ludwig Rellstabs allein schon durch den samtig gedeckten Klang der Viola auf den Hörer auch in einer wortlosen Fassung. Hervorzuheben sind Ständchen und Am Meer, in denen Michael Endres und der in Sri Lanka geborene Ashan Pillai mit einem sehr beredten Spiel sowie einer innigen, von jeglichen Manierismen freien Tongebung ein tiefes Verständnis der musikalisch-literarischen Verbindung Schuberts und Rellstabs offenbaren.

Auch die Arpeggione-Sonate a-Moll D 821 zeigt im Wechsel- und Zusammenspiel der beiden Interpreten die Kantabilität als das die großen Formteile absolut beherrschende Element. Das Arpeggione war eine sehr kurzlebige Instrumentenerfindung der Romantik, eine Bogengitarre mit Bünden, deren sechs Saiten zahlreiche gezupfte und gestrichene Figurationen und Arpeggien ermöglichten, deren Ausführung auf einem viersaitigen Instrument den Interpreten jedoch vor große spieltechnische Herausforderungen stellt. Diese gehen dem Bratscher Ashan Pillai leicht von der Hand, wobei vor allem die spielerisch leicht wirkenden Lagenwechsel beeindrucken. Immer ist Pillais technische Brillanz aber eingebettet in die weitgespannten Phrasierungen der ausgesprochen liedhaften Themen und Melodiebogen, welche zusammen mit der Klangpracht, Dramatik und den tänzerischen Rhythmen diese dreisätzige Sonate zu einem kammermusikalischen Juwel machen. Dieser Kostbarkeit entspricht auch die funkelnde Klangvielfalt und die feinen dynamischen Abstufungen, mit denen Pillai und Endres den thematischen Erfindungsreichtum gerade des finalen Sonatenrondos herausstellen.

Abgerundet wird das stimmige und beziehungsreiche Programm dieser klanglich ausgewogenen CD (ein wenig mehr Brillanz täte der Aufnahme allerdings gut) mit den Sechs Nocturnes op. 168 des in Prag geborenen Johann Wenzel Kalliwoda (1801-1866). Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte dieser Nachfahre der großen böhmischen Musikantentradition noch zu den meist gespielten Komponisten des mitteleuropäischen Konzertwesens; heute ist sein ungefähr 450 Kompositionen umfassendes Gesamtwerk nahezu unbekannt. Die Atmosphäre seiner eingängigen Nocturnes steht klanglich durchaus Schubert nahe. Jedoch trügt die Bezeichnung „Nocturne“; von einem träumerischen Charakter kann man vielleicht nur im dritten Stück sprechen. Kleine Perlen finden sich hier ebenso wie harmlose Miniaturen, die über reinen Schönklang nicht hinausgehen und eine einmal eingeführte Stimmung sowie einmal exponiertes motivisches Material doch sehr strapazieren. Um so mehr zu loben ist die ausgefeilte Artikulation und Phrasierung dieser Charakterstücke durch Ashan Pillai und Michael Endres, deren kammermusikalische wie solistische Qualitäten sich in sämtlichen auf dieser CD vorliegenden Werkdeutungen auf ideale Weise ergänzen.

Christof Jetzschke [18.05.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schubert
1Sonate für Arpeggione (Violoncello) und Klavier a-Moll D 821 (Arpeggionesonate) 00:22:34
Johann Wenzel Kalliwoda
46 Nocturnes op. 186 00:24:20
Franz Schubert
10Liebesbotschaft D 957, 1 (aus: Schwanengesang D 957) 00:02:46
11Ständchen (aus: Schwanengesang D 957) 00:03:31
12Abschied (aus: Schwanengesang D 957) 00:02:51
13Am Meer (aus: Schwanengesang D 957) 00:04:28
14Die Taubenpost D 965a (aus: Schwanengesang D 957) 00:03:36

Interpreten der Einspielung

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