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CD-Besprechung

L' ape musicale Azione Teatrale di Lorenzo da Ponte

Rossini • Mozart • Salieri • Cimarosa • Zingarelli

L’ ape musicale<br />Azione Teatrale di Lorenzo da Ponte

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 6

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Besprechung: 11.04.07

Nuova Era Internazionale 224174

2 CD • 1h 35min • 1989

Man nehme die bekanntesten Stücke von Rossini, Mozart, Salieri, Cimarosa und Zingarelli und stelle sie zu einer neuen Handlung zusammen. Heraus kommt eine Miniaturoper voll charmantem Witz: Il Pasticcio oder Líape musicale, die musikalische Biene. Diese 1789 entstandene zweiaktige Collage ist die einzige Oper, für die der Meister-Librettist Lorenzo da Ponte selbst verantwortlich zeichnet, gespickt mit Elementen der Commedia dellíArte und Opera buffa und hauptsächlich bestehend aus Vorlagen, deren Libretti da Ponte selbst verfasst hatte.

Die Geschichte dieser „Pasticheì ist die ihrer eigenen Entstehung: Ein Dichter beschließt, eine neue Oper durch Zusammenstellung der berühmtesten Stücke seiner Zeit zu kreieren. Er gewinnt renommierte Sangeskünstler und verspricht ihnen auf den Leib geschriebene Rollen und Gesangspartien. Doch damit beginnen erst die Schwierigkeiten in dieser Parodie auf die Oper selbst. Die großen Fragen des damaligen Opernbetriebs werden hier thematisiert, da Ponte spart auch nicht an hitzigen Streitigkeiten, ironischen und satirischen Seitenhieben auf Sängerallüren, Schauspieler und sonstige Theaterschaffende. Das Beiheft nennt vier Fassungen der Ape musicale, die sich immer am gerade herrschenden Geschmack orientiert in ihrer musikalischen Atmosphäre und ihrem Textgehalt gänzlich voneinander unterscheiden. Vierzig Jahre nach der Urfassung entstand schließlich die völlig umgestaltete New-Yorker-Fassung, mit der Giulia, die Nichte des Dichters, 1829 als talentierte Sopranistin in Amerika eingeführt werden sollte. Diese letzte Fassung liegt der vorliegenden, klanglich doch etwas unbefriedigenden Live-Aufnahme von 1989 aus dem Teatro La Fenice di Venezia zugrunde. Laut Beiheft fehlt ihr die Polemik und der parodistische Biss der vorangegangenen drei Fassungen. Vielmehr herrsche am Handlungsort ? einer als „glücklichì beschriebenen Insel, vermutlich Long Island, New York ? ein Klima von Respekt und Hilfsbereitschaft.

Der heutige Hörer wird von da Ponte in einen wahren Irrgarten aus Rossini-, Mozart-, Salieri-, Cimarosa- und Zingarelli-Zitaten gestoßen, die bis auf wenige Ausnahmen kaum zuzuordnen sind. Die Eröffnung bestreitet da Ponte mit einem Chor aus Rossinis Il Turco in Italia, den Schluss markiert die Finalszene aus La Cenerentola. Taminos Bildnis-Arie aus Mozarts Zauberflöte erscheint in ihrer Originalgestalt, und Don-Giovanni-Zitate sind ebenfalls unüberhörbar. Doch der Rest ähnelt einem musikalischen Quiz, an dem man trotz insgesamt passabler Leistungen aller Beteiligten schnell die Lust verlieren kann.

Adelina Scarabelli als in New York schon sehnsüchtig erwartete junge Sängerin Lucinda trifft mit ihrem strahlenden und sehr agilen Sopran von Beginn an den richtigen Ton für den sprühenden Esprit ihrer Rolle. William Matteuzzi in der Rolle des Sängers Narciso klingt dagegen recht metallisch und drückt vor allem in den hohen Lagen zu sehr auf seine Tenorstimme. Auch Bariton Bruno de Simone weiß als Dichter Mongibello nicht restlos zu überzeugen. Gleiches gilt für Maurizio Comencini in der Rolle des die Gesangsproben begleitenden Don Canario, dessen Tenor sich doch etwas angestrengt den Linien der Bildnis-Arie anzuschmiegen versucht. Am überzeugendsten ist Enzo Dara, der den autoritären Impresario Don Nibbio mit einem äußerst kraftvollen Bass sowie mit einer sehr beweglichen Artikulation und Koloraturtechnik glaubhaft verkörpert.

Das Beiheft ist sehr ausführlich, allerdings ein wenig unstrukturiert und gibt leider keine Hinweise auf die Herkunft der einzelnen Nummern. Auch wird nicht ersichtlich, warum man sich für die Aufnahme ausgerechnet da Pontes New-Yorker-Fassung vorgenommen hat, die in ihrem musikalischen wie textlichen Gehalt gegenüber den anderen drei Versionen doch deutlich abfallen soll. Ohne Zweifel lohnt sich diese CD für den interessierten Opernkenner aufgrund ihrer zahlreichen Wiederentdeckungen und ihrer überzeugenden Verbindung von Mozart, Rossini und da Ponte. Ihr Repertoirewert sollte aber nicht zu hoch angesetzt werden.

Christof Jetzschke [11.04.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L. da Ponte L' ape musicale (Pasticcio)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Adelina Scarabelli Lucinda - Sopran
William Matteuzzi Narciso - Tenor
Enzo Dara Don Nibbio - Baß
Maurizio Comencini Don Canario - Tenor
Bruno de Simone Mongibello - Bariton
Orchestra e Coro del Teatro La Fenice Orchester
Vittorio Parisi Dirigent
 
224174;4011222241740

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