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CD-Besprechung

Naxos 8.557423

1 CD • 57min • 2005

29.01.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Er gilt als der vielleicht letzte Romantiker, als Vertreter einer Klangsprache, in der der Ausdruck erlebter Emotionalität ganz im Mittelpunkt seines Schaffens steht. Der russische Pianist und Komponist Sergei Wassiljewitsch Rachmaninff, der heute vor allem durch seine vollgriffigen Klavierkonzerte im Musikleben vertreten ist, schrieb nur wenig und heute auch kaum beachtete Kammermusik. Als Höhepunkt gilt dabei sein zweites Klaviertrio op. 9, das er als Reaktion auf den Tod Tschaikowskys verfasste und das er – so wie sein erstes ohne Opuszahl – als „Trio élégiaque“ bezeichnete.

Das lettisch-russische Trio Grohovski/Wulfson/Yablonsky nähert sich dem Notentext mit akribischer Genauigkeit. Die Textur wird präzise aufgeschlüsselt, der Hörer kann durch die Klang gewordenen emotionalen Regungen auf die dahinter liegende Struktur blicken. Ausschlaggebend dafür ist in erster Linie der pointiert klare und rhythmisch präzise Anschlag von Valeri Grohovski. In seinem Klavierspiel spiegelt sich trotz der hochromantischen Ausdrucknuancen die klassische Klaviermusik Haydns oder Mozarts wieder. Grohovski deutet bei Solopassagen wie beim Beginn des dritten Satzes manche dämonischen Abgründe zwar mehr an, als dass er sich in diese hineinfallen lässt, der Interpretation als Ganzes tut dies jedoch gut. Denn mit Eduard Wulfson an der Violine besitzt Grohovski einen Partner, dessen Tongebung und Phrasierung das Pathos des Werks voll ausschöpft. Als vermittelnde Kraft dieses apollinisch-dyonisischen Gespanns steht das unaufgeregte, aber sehr intensive Cellospiel Dmitry Yablonskys. Klanglich ergänzen sich Violine und Cello hervorragend. Grohovskis bohrender Ton wird durch die sonore Tiefe Yablonskys gestützt und angereichert.

Der Kopfsatz beginnt zurückhaltend und geheimnisvoll. Klavier, Cello und Violine scheinen den Raum, den sie betreten, erst vorsichtig im Dunkeln abzutasten. Aus diesem Beginn entwickelt sich in zwei langsam steigernden, sich emotional mehr und mehr aufladenden Crescendobögen die Exposition. Die Überleitung zur Durchführung gestaltet das Trio mit viel Atem und Feingefühl. Gleitet die Musik zunächst in sanften Wellenbewegungen dahin, verdichtet sie sich in Folge zusehends, um gegen Ende der Durchführung erschöpft in sich zusammenzusinken. Der Beginn der Reprise gehört zu den berührendsten Momenten dieser Aufnahme. Das Klavier spielt zurückhaltend, fast verschreckt, die Streicher begleiten mit fahlem pianissimo. Es klingt, also kauere die Musik verstört am Boden. In dieser Klang gewordenen und sich in Folge auch nicht mehr aufhellenden Trostlosigkeit zeigt sich Rachmaninoff als musikalischer Verwandter Franz Schuberts.

Spielt das Trio Grohovski/Wulfson/Yablonsky den Kopfsatz als intensive, aber dennoch gefasste Klage, so dominiert im Mittelsatz zunächst das spielerische Element. Die Musik möchte sich hier – besonders in den Klavier-Solopassagen oder in der brillant-spielerischen dritten Variation – spürbar von den Strapazen erholen, denen sie sich zuvor ausgesetzt sah, freilich ohne echte Ruhe zu finden. Dazu fehlt das stabile Klanggerüst, vieles wirkt fragil und zerbrechlich. In der vierten Variation wird das in Intonation und Tongebung genau abgestimmtes Unisono von Wulfsons Violine und Yablonskys Cello zu bedrohlichen Schatten über lichten Klavierakkorden.

Das Finale greift die im Kopfsatz vorherrschende Spannung wieder auf. Doch schnell wird das trotzig-rhythmische Element, verkörpert durch Grohovskis pointiert nach vorne orientiertes Klavierspiel, durch die sich nochmals schmerzvoll im Unisono aufbäumenden Streicher aufgehalten. Gegen Ende hat die Musik jede Kraft verloren. Sie versickert.

Das dieser Interpretation vorangehende erste g-Moll-Trio aus dem Jahre 1892, das Rachmaninoff noch als Schüler in Moskau komponierte, schafft durch seinen ebenfalls elegischen Grundcharakter ein unmittelbares Bindeglied zum Trio in d-Moll, ist aber hinsichtlich des Ausdrucksgrads noch weit von diesem entfernt. Grohovski, Wulfson und Yablonsky interpretieren es mit einer ausgewogenen Mischung aus lyrischem Empfinden und Eleganz. Auch hier ist es Grohovski, der durch sein klares, durchsichtiges Spiel die Struktur der Musik verdeutlicht und sind es Wulfson und Yablonsky, welche die Interpretation intensivieren und emotionalisieren.

Das Klangbild dieser CD gibt die dynamisch ausgewogen aufeinender abgestimmten Instrumente sehr klangfarbentreu wieder, lediglich die räumliche Aufstellung im Stereo-Panorama wirkt etwas zu dicht.

Robert Spoula [29.01.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Sergej Rachmaninow
1Klaviertrio No. 1 minor for Piano, Violin and Violoncello (Trio élégiaque, 1892)
2Klaviertrio Nr. 2 d-Moll op. 9 (Trio élégiaque)

Interpreten der Einspielung

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