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CD-Besprechung

Dietrich Buxtehude Opera Omnia I

Dietrich Buxtehude<br />Opera Omnia I

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 27.10.06

Challenge Classics CC2240

2 CD • 2h 17min • 2005

Als Bach-Interpret dürfte Ton Koopman manchem Hörer mitunter allzu kreativ vorkommen: Wenn der nervöse, vor Energie berstende Niederländer in seinem Spiel auch nur eine Ahnung von Statik entdeckt, sich vielleicht auch nur für eine Sekunde langweilt, wird verziert und fabuliert, was das Zeug hält. Hier trifft oft eine übergroße Phantasie auf ohnehin schon außerordentlich komplizierte, verworrene Werke. Hingegen ist die Klaviermusik des älteren Meisters Buxtehude, den Bach ja so bewunderte, dem Satz nach zwar komplex, auch höchst elaboriert; sie verfügt jedoch nicht über den Stufenreichtum Bachs, also jene Vielzahl von nahen und vor allem ferneren harmonischen Bereichen, die innerhalb der Grundtonart erreicht werden können und für Abwechslung sorgen. Buxtehudes Klaviermusik verharrt also stärker innerhalb eines tonartlichen Rahmens als die Musik des jüngeren Kollegens.

Koopmans anspringendes Temperament und seine überbordende Verzierungsphantasie können bei Buxtehudes Musik somit ungemein belebend wirken. Nicht, daß Buxtehudes insgesamt zwölf hier eingespielten Suiten zu bewegungsarm wirken würden; ohnehin tendiert er stark zur Knappheit, die einzelnen Sätze dauern kaum einmal länger als zwei Minuten. Trotzdem macht Koopmans Vergegenwärtigungskunst diese wertvollen Stücke noch um einen Tick hinreißender: Er entwickelt jeweils einen einheitlichen kraftvollen Zug, innerhalb dessen er aber eine äußerst subtile und gleichzeitig fesselnde Agogik anbringt. Diese jedoch ist stets und im besten Sinne musikantisch, nicht manieriert wie die mancher Kollegen der Alte-Musik-Szene. Der nach Außen hin vereinheitlichende, nach Innen unendlich differenzierende Zug wirkt auch über die einzelnen Sätze hinaus formbildend; man höre etwa, wie Koopman über die Variationszyklen La Capricciosa und More Palatino, BuxWV 250 bzw. 247, einen großen, tragfähigen Bogen spannt. Gerade der Capricciosa-Zyklus gerät zu einer spannungsvollen, recht atemlosen Folge von Veränderungen mit einer fulminanten Steigerung.

Die beiden verwendeten Instrumente, ein zweimanualiges flämisches Instrument nach Ruckers, und ein kleines einmanualiges italienisches nach Giusti, die vielleicht einen Hauch zu resonanzarm, dafür jedoch sehr distinkt abgebildet werden, sind mitteltönig gestimmt, und zwar sehr genau ausgehört, so daß das bewußt Schräge der Chromatik und der entfernten Tonarten wundervoll heraustritt. Nicht nur in solchen Momenten wird tatsächlich sehr deutlich, was Koopman in seinem Begleittext schreibt: daß Buxtehude doch weit mehr als ein Vorläufer Bachs war, vielmehr ein so tiefer wie beizeiten frecher Meister sui generis.

Dr. Michael B. Weiß [27.10.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 D. Buxtehude La Capricciosa BuxWV 250 (Partite diverse sopra una aria d'Inventione)
2 Suite in C BuxWV 230
3 Suite in F BuxWV 238
4 Suite d-Moll BuxWV 233
5 Courant simble in a BuxWV 245
6 Suite in e BuxWV 235
7 Aria More Palatino BuxWV 247
8 Suite in C BuxWV 228
9 Suite in g BuxWV 242
10 Suite in C BuxWV 226
11 Suite A-Dur BuxWV 243
12 Suite in d BuxWV 234
13 Suite in D BuxWV 232
14 Suite in d (ed. E. Roger, 1710)
15 Suite in C BuxWV 231
16 Preludium manualiter in g BuxWV 163

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ton Koopman Cembalo
 
CC2240;0608917224023

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