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CD-Besprechung

Michael Gielen

Strawinsky

Michael Gielen

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 11.09.06

Klassik Heute
Empfehlung

SWRmusic 93.183

1 CD • 78min • 2003, 2005, 2006

Daß diese CD drei meiner vorzüglichsten Strawinsky-Favoriten enthält und mit Michael Gielen ein Meister für musikalische Gehirntiere am Pult steht – das sorgte natürlich für eine gewisse Voreingenommenheit. Und siehe da, ich wurde nicht enttäuscht: Kaum hatte die Sinfonie in drei Sätzen begonnen, da war mir, als sollte ich hurtig die Noten durchtelefonieren und mich wieder ganz der Anhörung dieser exquisiten Aufnahme widmen.

Doch Redaktion und Leser erwarten zumindest den Ansatz einer Begründung: Was durchweg fasziniert, ist die enorm federnde Spannkraft, die einem hier aus den Partituren förmlich entgegenspringt: Fabelhaft beispielsweise die scheinbar nachlässig hingeworfenen Akzente der tiefen Blechbläser, von denen sich die „eigentliche” Musik mit regelrechtem Swing abzustoßen scheint; dann diese herrlichen, zum Dahinschmelzen schön geblasenen Doppelrohrblatt-Kantilenen (etwa im Kopfsatz der Sinfonie in C), die schroff-dichten, explodierenden Tutti-Konstruktionen und trotz ihres beharrlichen Bohrens delikaten Streicherostinati, die stundenlang so weitergehen dürften; in der dreisätzigen Sinfonie ein mit „figarösem” Augenaufschlag musiziertes Andante neben dem kalkulierten Muskelspiel der Umgebung – es ist wahrlich ein völlig ungetrübtes, packendes Vergnügen ...

... das dann von einer Psalmensinfonie gekrönt wird, die Michael Gielen mit ein paar ganz dezenten Handgriffen vom unterkühlten Lobgesang zu einem geistlichen Stück Musik verwandelt: „Diese Sinfonie, komponiert zur Ehre Gottes, ist dem Boston Symphony Orchestra zu seinem 50jährigen Bestehen gewidmet”, lautet die Dedikation, die von einem EU-Verfassungsexperten stammen könnte, da der „Gottesbezug” wirklich nur angepappt erscheint. Es genügen jedoch, wie wir hier erfahren, einige geschickte, leichthin geatmete Verzögerungen, die eine oder andere unmerklich gesteigerte Expression – und schon läßt sich die Syntax bewußter Widmung völlig verkehren. Spätestens, wenn in den letzten Takten des Psalm 150 das Alleluia den Bogen schließt, dann hat sich wieder einmal gezeigt, daß auch dem pfiffigsten Gehirntier, wenn es sich denn mit Heiligen Texten abgibt, geistliche Musik entfleucht, ob das der ursprüngliche Plan war oder nicht. Höchstnoten also für Interpretation und Klang!

Rasmus van Rijn [11.09.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 I. Strawinsky Sinfonie in drei Sätzen 00:23:04
4 Sinfonie in C 00:31:15
8 Psalmensinfonie für Chor und Orchester 00:22:57

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
WDR Rundfunkchor Köln Chor
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg Orchester
Michael Gielen Dirigent
 
93.183;4010276018674

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