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DVD-Video-Besprechung

Tourbillon TRB001

1 DVD-Video • 2h 14min • 2003

10.08.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Auch wenn Jacques Offenbach nach 1871 in Paris nicht mehr die zentrale Rolle spielte wie im Zweiten Kaiserreich, so schrieb er bis zu seinem Tode (1880) immerhin noch vierzig Bühnenwerke, von denen einige sehr erfolgreich waren. Freilich hatte er sich dem veränderten Zeitgeschmack anzupassen. Jetzt waren Feerien gefragt, Ausstattung und moderne Bühnentechnik spielten auf dem Gebiet des unterhaltenden Musiktheaters eine immer größere Rolle. Zu den Modeschriftstellern dieser Zeit gehörte Jules Verne mit seinen utopischen, zugleich wissenschaftlichen und wissenschaftskritischen Romanen, die noch heute viel gelesen werden. Mit einer Bühnenadaption der Reise zum Mond war Offenbach 1875 ein Coup gelungen.

Naheliegend also, sich ein zweites Mal an diesen Autor anzulehnen. „Le docteur Ox“, im Januar 1877 uraufgeführt, geht auf eine Novelle Vernes zurück und spielt in einem imaginären flandrischen Städtchen namens Quinquendonne, wo alles seinen mehr als gemächlichen Gang geht. Bis der dänische Wissenschaftler Dr. Ox mit seinem Assistenten Ygène auftaucht und an der staunenden Bevölkerung die Wirkung eines Gases ausprobiert, das in der Lage ist, die Lebenskraft zu verdoppeln. Sobald es ausströmt, werden aus den Schnarchnasen entfesselte Anarchisten. Am Ende steht die Revolution kurz bevor, doch da explodiert die Gasfabrik und alles geht weiter wie zuvor.

Da das Uraufführungstheater in Anna Judith einen zugkräftigen Star zur Hand hatte, wurde in die Handlung die Rolle der Prinzessin Prascavia aus Transkaukasien eingefügt, die einst mit Ox verlobt war und kurz vor der Heirat von ihm verlassen wurde. Jetzt macht sie mit einem Trupp von Zigeunern die Provinzstadt unsicher, um ihn, notfalls mit Gewalt, in ihre Heimat zurückzuholen. Diese Neben- und Gegenhandlung bringt das Geschehen erst richtig in Schwung und bietet Anlaß für einige der besten Nummern des Stücks, angefangen vom Zigeunerlied, das ein regelrechter Ohrwurm ist, über die Romanze der Turteltauben und das Kirmes-Rondo bis zu dem herrlichen Nonsense-Liebesduett zwischen Ox und Prascovia, die allerdings beide verkleidet sind und sich erst am Ende der Nummer erkennen.

Entgegen einer weitverbreiteten Meinung war Offenbach in seinen letzten Lebensjahren keineswegs ausgebrannt, die musikalischen und rhythmischen Einfälle sprudeln nur so hervor wie in seinen besten Tagen. Trotzdem wurde das Stück nach nur 39 Vorstellungen vom Spielplan genommen und verschwand in der Versenkung, aus der es erst jetzt die vor fünf Jahren gegründeten Operntruppe Les Brigands hervorholte. Schon diese Initiative ist höchsten Lobes wert. Doch auch die Aufführung selbst ist exzellent. Der junge Dirigent Benjamin Levy schlägt mit einer durch ein Klavier verstärkten Kammermusikformation dramatische Funken aus der Partitur und der Regisseur Stéphan Druet findet einfallsreich, aber nie originalitätssüchtig einen überzeugenden Darstellungsstil, der Offenbachs Ironie gerecht wird. Die Sänger, großenteils aus dem durch die Zusammenarbeit mit Mark Minkowski bekannt gewordenen Choeur des Musiciens de Louvre hervorgegangen, bilden – angeführt von Christophe Crapez als Ox, Emmanuelle Goizé als Miss (!) Ygène und Aurélie Legay als Prascovia – ein überaus spielfreudiges und spielgewandtes Ensemble, das auch in vokaler Hinsicht zufrieden stellen kann.

Ekkehard Pluta [10.08.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jacques Offenbach
1Le Docteur Ox

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