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CD-Besprechung

W. Alwyn

Naxos 1 CD 8.557649

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 19.04.06

Naxos 8.557649

1 CD • 55min • 2004, 2005

Der englische Komponist William Alwyn (1905-1985) verfasste neben fünf Sinfonien, Konzerten für verschiedene Soloinstrumente, vier Opern, zahlreichen Kammermusik- und Vokalwerken etwa 200 Filmmusiken. Seine Musik klingt – jedenfalls gemessen an den beiden Werken dieser CD – unpersönlich, nie unverwechselbar, eklektizistisch und erinnert oft an andere Komponisten. Alwyns Sinfonik klingt wie ein Aufguß von Vaughan Williams, manchmal gemahnt sie an Aaron Copland, in ihren besten Momenten hat sie Nähe zu Schostakowitsch. Es dominieren die große Geste, die Bedeutungsschwere, auch eine gewisse Epik.

Die dreisätzige vierte Sinfonie, 1959 vollendet, ist für ein gewöhnliches klassisches Orchester geschrieben und zyklisch in der Anlage: „Das Themenmaterial, das im ersten Satz exponiert wird, ist ständigen Transformationen unterworfen und wird in allen drei Sätzen verwandt. Ein ungewöhnlicher Aspekt ist dabei, dass das Scherzo der zentrale und wesentlichste Satz ist“ (William Alwyn). Die Ecksätze prägen langsame Einleitungen, „maestoso“-Abschnitte und hymnische Schlüsse. Im Mittelsatz, einem sehr lebendigen Scherzo mit Trio, finden sich konzertante Momente mit reizvollen solistischen Passagen. Das Spiel der Liverpooler Philharmoniker läßt keine Wünsche offen: Es ist lebendig, farbig, steigerungsfähig, akzentuiert, rhythmisch präzise und farbig.

Bedeutender und reizvoller erscheint die Sinfonietta für Streicher von 1970; sie klingt wie eine Art englischer Version des berühmten Divertimento für Streicher von Bela Bartók. Dieses bedeutendere Werk scheint für Alwyns Sinfonietta Pate gestanden zu haben: Nicht nur in der Dreisätzigkeit und der Dramaturgie (der langsame Satz wird eingeschlossen von zwei raschen Ecksätzen), sondern auch im Ton und in manchen klanglichen und atmosphärischen Wirkungen. Das Interessante und Eigenwillige ist freilich, dass Alwyn seine Sinfonietta um ein beängstigendes Zitat aus Alban Bergs Lulu kreisen lässt, das in dieser Konstellation neue und andere Wirkungen entfaltet: „Es handelt sich dabei weder um Zwölftonmusik noch um einen Tribut an Berg – wenn auch jeder ehrliche Komponist eingestehen wird, was er diesem Genie verdankt. Der Grund für die Integration ist vielmehr ein persönlicher – die gemeinsame Bewunderung Bergs, die ich mit meinem Freund Dr. Mosco Carner [einem Musikwissenschaftler] teile, an den ich bei der Komposition oft dachte und dem das Werk auch gewidmet ist“ (Alwyn).

Die Streicher des Liverpool Philharmonic Orchestra spielen die Sinfonietta mit viel Sinn für ihren Klang, die kammermusikalischen Wirkungen, die düstere Stimmung des Mittelsatzes – energisch und zurückhaltend, kraftvoll und zart, wo nötig.

Peter Heissler [19.04.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W. Alwyn Sinfonie Nr. 4 (1959)
2 Sinfonietta für Streichorchester (1970)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Royal Liverpool Philharmonic Orchestra Orchester
David Lloyd-Jones Dirigent
 
8.557649;0747313264926

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