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CD-Besprechung

C. Debussy

BIS 1 CD CD 1355

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 06.02.06

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BIS CD 1355

1 CD • 80min • 2004, 2005

Die 1987 in Leeds mit einem dritten Preis bedachte japanische Pianistin Noriko Ogawa ist eine jener Musikerpersönlichkeiten, die uns in Europa klar vor Ohren führen, wie eingehend und einfühlsam sich fernöstliche Interpreten mit dem europäischen Repertoire auseinandersetzen, wie sie sich – auf gepflegter technischer Basis – ferne Materialien aneignen, sich gleichsam in einer Fremdsprache heimisch fühlen. Meine zahlreichen Erfahrungen aus internationalen Wettbewerben bündelnd, scheinen mir die japanischen, koreanischen und chinesischen Interpreten im transkontinentalen Kunstkontakt die überzeugenderen Resultate zu erzielen, wenn es sich um Literatur aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts handelt, weniger dagegen im Umkreis der Beethoven- und Haydn-Sonaten, mit einigem Erfolg überraschenderweise auf dem Terrain der Mozart-Werke (Uchida/Philips, Seung-Yeun Huh/Ars Musici, Lang Lang zuletzt mit der Mozart-Sonate KV 330/DG).

Noriko Ogawa nun zeigt in ihrer dritten Debussy-Einspielung erneut eine gute pianistische Nase für die verschiedensten musikalischen Versuchsanordnungen im Umfeld der Préludes (Band II), dreier knapp gehaltener Charakterstücke von begrenzter musikalischer Bedeutung und am Ende dieser Einspielung mit viel Umsicht und Liebe zum Detail für die schönen Wechselfälle der kindlich-raffinierten Boite à joujoux-Geschichte. Ogawa imponiert nicht mit einzelnen Fähigkeiten jenseits des pianistisch Normalen, sie überzeugt im Tonfall einer uneigennützigen Virtuosität, wodurch etwa ein hochbrillantes Prélude wie Feux d’artifice am Ende des zweiten Bandes gewissermaßen in unschuldiger Plastizität an Gegenwärtigkeit gewinnt. Sie lässt es nicht krachen, sie stürzt sich nicht auf gewisse dynamische Effekte, vielmehr gibt sie Anstöße, Anhaltspunkte für den Hörer, sich selber ein Bild von gallischem Bengalismus zu machen. Unvergesslich – kein Zweifel – bleiben Benedetti Michelanglis kühl-erhitztes Raffinement, Richters feierliche Bewegtheit, Giesekings gleitende, lässige Souveränität, aber Noriko Ogawa behauptet mit ihren je eigenen Werk-Perspektiven die Stellung einer der beachtenswertesten Debussy-Gestalterinnen unserer Tage.

Peter Cossé [06.02.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Debussy Préludes (Heft 2)
2 Berceuse héroïque L 132 (pour rendre hommage à S.M. le roi Albert de Belgique et à ses soldats)
3 Pièce pour l'oeuvre du "Vêtement du Blessé" L 133
4 Elégie L 138
5 La Boîte à joujoux (Ballet pour enfants)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Noriko Ogawa Klavier
 
CD 1355;7318590013557

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