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CD-Besprechung

Hugo Wolf – Orchesterlieder
Prometheus

Hugo Wolf – Orchesterlieder<br />Prometheus

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 09.12.05

Klassik Heute
Empfehlung

harmonia mundi HMC901837

1 CD • 69min • 2003, 2004

Hugo Wolf hat sich so sehr als Meister des Klavierlieds in das Bewußtsein eingeprägt, daß man leicht dazu neigt, seine Orchesterwerke als zweitrangig, vielleicht sogar mit einer gewissen Nachsicht zu betrachten. Daß dies eine ungerechte Einschätzung ist, wird allein durch seine genialen Orchesterlieder – es sind dies vierundzwanzig Nummern – bewiesen. Wolf, im Grunde ein musikalischer Autodidakt, hat sich die vollkommene Beherrschung des Orchesterapparats angeeignet, vor allem durch das Studium der Wagner-Partituren. Daß Hugo Wolf Wagnerianer durch und durch war, ist eine bekannte Tatsache, das Interessante daran bleibt, daß sich in seinen Klavierliedern kaum direkte Wagner-Abhängigkeit feststellen läßt. Anders ist es hingegen mit den orchestrierten Fassungen seiner Lieder, in denen – oft geradezu überraschend – die „wagnerische“ Physiognomie hervortritt, ohne daß sich etwas an der musikalischen Grundstruktur ändert. Das ist eine Beobachtung, die ganz nahe an den Kern seines Schaffens dringt. Typischer für Wolf, für seine künstlerische Individualität und seine Kunst, sind sicherlich die Klavierlieder, in denen er etwas völlig Neues und Ureigenes geschaffen hat. Dennoch sollte sich niemand, der die Musik Hugo Wolfs liebt, die Bekanntschaft mit den instrumentierten Gesängen entgehen lassen. Die beste Gelegenheit dazu vermittelt diese neue harmonia mundi-Aufnahme, die in jeder Hinsicht als exzeptionell zu bezeichnen ist. Sie faßt sämtliche Stücke des Genres zusammen und ist daher weit über die nur 17 Nummern enthaltende Aufnahme aus Fischer-Dieskaus Spätzeit (auf Orfeo erschienen) zu stellen, nicht zuletzt deshalb, weil sie zwei Gesangssolisten einsetzt und dadurch eine Aufteilung der musikalisch-dichterischen Sphären ermöglicht. Julia Banse mit ihrem warmen, volltönenden Sopran hat sich längst schon als eine der herausragendsten Hugo-Wolf-Interpretinnen bekannt gemacht. Und Dietrich Henschel bewältigt mit seiner kernigen, markanten Baritonstimme nicht nur den wegen der massiven Instrumentation gefürchteten Prometheus, er vermag auch den Gefühlsreichtum der Harfner-Gesänge vollkommen auszufüllen. Beide sind als Sänger, Gestalter und Sprecher (letzteres bei Wolf von höchster Wichtigkeit) ganz auf ihrem Platz.. Gleichsam als Zusatzstück, aber doch zum Thema gehörig, ist die Chorfassung des Feuerreiters, die vom Berliner Rundfunkchor präzise und mit dem passenden Furor vorgetragen wird. Das Berliner Symphonieorchester unter Kent Nagano bietet die perfekte und ausgewogene Grundlage für dieses außergewöhnliche Vokalkonzert. Von erlesener Qualität auch die kompetente Texteinführung von Habakuk Traber. Somit eine Aufnahme, die nicht nur eine wenig bekannte Sparte in Hugo Wolfs Schaffen ins helle Licht stellt, sondern auch durch ihr reiches künstlerisches Volumen beeindruckt.

Vergleichsaufnahme: Orfeo C 219 911 A (Dietrich Fischer-Dieskau, Münchner Rundfunkorchester, Stefan Soltesz)

Clemens Höslinger [09.12.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 H. Wolf Denk es, o Seele (1888)
2 Gebet (1888)
3 Auf ein altes Bild (1888)
4 Schlafendes Jesukind (1888)
5 Karwoche (1888)
6 In der Frühe (1888)
7 Der Feuerreiter (1888)
8 Neue Liebe (1888)
9 Wo find' ich Trost (1888)
10 Seufzer (1888)
11 Gesang Weylas
12 An den Schlaf (1888)
13 Er ist's (Frühling läßt sein blaues Band, 1888)
14 Wenn du zu den Blumen gehst (1889 - aus: Spanisches Liederbuch – Weltliche Lieder)
15 In dem Schatten meiner Locken (aus: Spanisches Liederbuch – Weltliche Lieder)
16 Wer sein holdes Lieb verloren (1889 - aus: Spanisches Liederbuch – Weltliche Lieder)
17 Herz, verzage nicht geschwind (1889 - aus: Spanisches Liederbuch – Weltliche Lieder)
18 Kennst du das Land (Mignon IV, 1888/1889)
19 Der Rattenfänger (1888)
20 Harfenspieler I-III (nach Gedichten von Joh. Wolfgang von Goethe in der Bearb. für Bariton und Streichquartett von Xaver Paul Thoma)
21 Harfenspieler II
22 Harfenspieler III
23 Anakreons Grab (1888)
24 Prometheus

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Juliane Banse Sopran
Dietrich Henschel Bariton
Rundfunkchor Berlin Chor
Deutsches Sinfonieorchester Berlin Orchester
Kent Nagano Dirigent
 
HMC901837;0794881785728

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