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CD-Besprechung

The Auryn Series
Auryn's Beethoven

The Auryn Series<br />Auryn’s Beethoven

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 3

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Besprechung: 29.12.05

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Tacet D 125

1 DVD-Audio • 4h 44min • 2002-2004

Es spricht viel dafür, die Klangqualität einer Produktion als einen wichtigen Aspekt auch in die Rezension einfließen zu lassen, im Allgemeinen aber den Fragen der Interpretation doch unterzuordnen: Was ist eine Aufnahme von brillanter Natürlichkeit wert, wenn die Musiker das Stück falsch oder langweilig wiedergeben? Freilich kann die technische Qualität zu einem integralen Bestandteil der Interpretation werden, und zwar am schnellsten ex negativo: Wenn nämlich die Tonmeister der Interpretation in das Handwerk pfuschen. So soll sich etwa ein Aufnahmeleiter nur ungern davon abhalten haben lassen, in Berlioz’ Symphonie fantastique das Abtrennen eines Kopfes akustisch durch eine simulierte Guillotine zu illustrieren.

Ein auf den ersten Blick weniger krasser Fall liegt bei vorliegender Einspielung von vier mittleren Quartetten Beethovens, nämlich op. 59 und op. 74, durch das Auryn-Quartett vor. Auf der DVD (die auf keinem herkömmlichen CD-Spieler abgehört werden kann) befinden sich über 140 Minuten Musik, und das gleich zweimal: Einmal in einer Fassung im sogenannten Real Surround Sound, einmal im sogenannten Moving Real Surround Sound. Während das erste Tonformat die Instrumente um den Hörer herum anordnet, als ob er vom Quartett quasi umzingelt wurde, erlaubt das zweite Format dem Toningenieur, die Instrumente auch noch frei im Raum wandern zu lassen.

Zu diskutieren wäre das in diesen Fällen immer wieder angebrachte Argument, der Komponist hätte ja die modernen Möglichkeiten nicht gekannt und vielleicht zugestimmt. Das mag sein, vielleicht aber eher auch nicht sein. Vielleicht ist es auch eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man als Hörer einzelne Passagen von einem Toningenieur, der sich solche radikalen Freiheit bei der Klang-Fotographie nimmt wie Andreas Spreer in diesem Fall, in weite Ferne gerückt haben möchte. Das Ende der Durchführung des Kopfsatzes des e-Moll-Quartetts schallt verschwommen wie aus einer Gruft heraus, um dann triumphal wieder an der Oberfläche erscheinen zu können. Vielleicht hätte Beethoven diese quasi filmische Möglichkeit begrüßt; vielleicht hätte er sie jedoch auch empört abgelehnt, weil sie ja nur recht grob naturalistisch verdoppelt, was er mit seinen eigenen kompositorischen Fähigkeiten ja schon ungleich überzeugender und feiner ausgedrückt hat.

In jedem Fall jedoch dürfte er etwas dagegen gehabt haben, daß in beiden Surround-Versionen, denen die jeweils selben Aufnahmetakes zugrundeliegen, der Klang des Streichquartetts auf das Volumen eines mittleren bis großen Streichorchesters aufgeplustert wird. Der groteske Nachhall würde nicht nur einer Kathedrale zur Ehre gereichen, sondern klingt darüber hinaus sehr synthetisch. Hier beginnen nun die interpretatorischen Probleme des Auryn-Quartetts. Alle federnde Leichtigkeit, zur der das Quartett fähig wäre, ertrinkt durch dieses fortgesetzte Quasi-Sostenuto-Pedal, das der Tonmeister dem Quartett zumutet. Das Quartett entkommt seinem eigenen Hall nicht, kann auf keine distinkten Punkte zuspielen; hätte es – etwa in einer realen Konzertsituation – diese Akustik geahnt, hätte es vollkommen andere Tempi wählen müssen, und auch auf Phrasierung und Artikulation hätte eine solche Umgebung wohl ihre Auswirkungen gehabt.

Weil man schlicht manche Feinheit des Quartettspieles nicht hört, da es verwischt abfotographiert wird, fällt es schwer, zur Interpretation Qualifiziertes zu sagen. Die Balance scheint gut zu sein, wenn nicht manchmal einzelne Instrumente aus dem Meer auftauchen würden wie große, luftholende Fische. So wird nicht selten ein Instrument über Gebühr in den Vordergrund gerückt, sodaß es isoliert vom Gesamtklang erscheint. Es sei aber auch nicht verschwiegen, daß an einigen Stellen, besonders Phrasenschlüssen, gewisse Nachlässigkeiten in der Feinkoordination dann doch hörbar werden und auch auffallen.

Es wird interessant sein, zu beobachten, ob diese Technik sich in den nächsten Jahren nicht doch auf natürlichere Weise beherrschen lernen läßt, ob sich nicht in Zukunft vielleicht die Toningenieure besser beherrschen sollten, oder ob wir demnächst weiteren Neuerungen entgehen sehen und hören: Pianisten etwa, die sich während dem Spiel der Goldberg-Variationen wie von Geisterhand von der ersten Reihe eines Saales in die 20. bewegen, oder Sinfonieorchester, deren einzelne Instrumente unaufhörlich durcheinanderwirbeln wie in einem Kaleidoskop.

Dr. Michael B. Weiß [29.12.2005]

Bechsteinkonzert

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Streichquartett Nr. 7 F-Dur op. 59 Nr. 1 (Rasumowsky-Quartett Nr. 1)
2 Streichquartett Nr. 8 e-Moll op. 59 Nr. 2 (Rasumowsky-Quartett Nr. 2)
3 Streichquartett Nr. 9 C-Dur op. 59 Nr. 3
4 Streichquartett Nr. 10 Es-Dur op. 74 (Harfen-Quartett)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Auryn Quartett Streichquartett
 
D 125;4009850012535

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