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CD-Besprechung

Carus 83.177

1 CD • 68min • 2005

11.07.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Es ist nicht das erste Mal, dass man bei einer mit internationalen Auszeichnungen prämiierten Chorgruppierung unzureichende Textverständlichkeit monieren muß. Da der Leiter des hier zu hörenden Freiburger Vokalensembles zugleich als Dozent für den Chorleiternachwuchs seine Meriten auf dem pädagogischen Sektor hat, bleiben zwei oft wiederholte Deutungen für dieses häufiger zu erlebende Manko übrig. Erstens ein kultisch überhöhtes Schönsingen, das von keinen Zischlauten, Gaumenrollern, Glottisschlägen und Lippenknallern getrübt werden darf, oder zweitens eine viel zu große Distanz der Sänger zu den Aufnahmemikrophonen, die alles Deklamatorische verwischen. Man prüfe dies einmal an einer schwierig zu artikulierenden Textzeile wie "Allah ist groß! Auf Minarettes Palme erhöht er mich, das kleinste Nichts der Erde" (Track 1). Sicher, hier handelt es sich um eine gehobene poetische Diktion, wie vieles auf dieser CD. Aber wehe, wenn die sängerische Lautbildung solchen lyrischen Passagen wenig oder gar nicht „sprechend“ entgegenkommt. Der Komponist ist jedenfalls nachweislich darauf bedacht, in seinen Satzstrukturen den Sprachrhythmus und die Wortbetonungen zu verdeutlichen. Ganz im Gegensatz dazu präsentiert sich allerdings der teilweise virtuose, anspruchsvolle Klavierpart im Türkischen Liederspiel op. 182 als eine ganz bewußt erweiterte Klangdimension. Weder handelt es sich dabei im überlieferten Sinne um türkische Musik "alla turca", noch um eine szenische Anlage des lediglich als Liederzyklus zu verstehenden Werktitels. Musikalisch wird alles Instrumentale notengetreu reproduziert und alles Sängerische mit Hingabe gestaltet.

Wie auch immer – die Tatsache, dass bis auf drei Ausnahmen hier ein Gesamtprogramm von lauter CD-Premieren weltlicher romantischer Chormusik dokumentiert wird, verdient Zustimmung. Beifall gebührt vor allem dem Carus-Verlag als Produzent von Notenausgaben und von deren klanglicher Umsetzung für imponierend viele Bereiche der Chormusik. Im vorliegenden Falle gilt dies speziell für das Schaffen des einst als Kompositionslehrer international geschätzten Münchner Meisters und eines von der Romantik geprägten Tonsetzers Josef Gabriel Rheinberger (1835-1901). Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die erläuternde CD-Textbeilage von Barbara Mohn, die es versteht, anhand der klassischen Rheinberger-Biographie des Musikhistorikers Theodor Kroyer dessen ästhetische Bewertung inhaltlich und anschaulich zu kommentieren. Wie Rheinberger in „schöner Form den zärtlichen Grundton der Dichtung festhält“ (Kroyer, 1916), dies ist eine wichtige Erfahrung der vorliegenden Produktion, gestützt auf die Lektüre der komplett hinzugefügten Gesangstexte.

Dr. Gerhard Pätzig [11.07.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Josef Rheinberger
1Vom Goldenen Horn op. 182 (Türkisches Liederspiel)
2Liebesgarten op. 80
3In Sturm und Frieden op. 170

Interpreten der Einspielung

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