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CD-Besprechung

F. Landini

Zig Zag Territoires 1 CD ZZT050603

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 06.07.05

Zig Zag Territoires ZZT050603

1 CD • 57min • 2001, 2004

Francesco Landini (ca. 1325–1397) konnte sich trotz seiner frühzeitigen Erblindung zum wohl bedeutendsten Komponisten des italienischen Trecento entwickeln. 154 Werke sind von ihm erhalten, was ungefähr ein Viertel des überlieferten Repertoires seines Jahrhunderts ist. Den Löwenanteil davon machen die zwei- oder dreistimmigen Ballaten aus, neben denen sich nur noch zwölf Madrigale, eine Caccia und ein Virelai finden. Damit steht Landini repräsentativ für die Verweltlichung der Kunst, die sich – stark vereinfacht gesprochen – am Übergang vom Spätmittelalter zur Frührenaissance gerade in Florenz vollzog. Doch anders als seine Zeitgenossen schenkte er dem Madrigal wenig Aufmerksamkeit, vielleicht weil es wegen seiner bukolischen Thematik noch nicht als hohe literarische Gattung angesehen war. Indes braucht sich das Madrigal Musica son, mit dem das vorliegende Programm eröffnet wird, weder poetisch noch musikalisch hinter den übrigen Stücken zu verstecken.

Das italienische Trecento setzte sich zunächst von der französischen Ars nova deutlich ab, um dann doch vor allem in Fragen der Notation eine Annäherung vorzunehmen. Im Vergleich zum romanischen Nachbarn bleibt aber ein höheres Maß an Klarheit und Melodiösität (auf Kosten der Komplexität) zu verzeichnen; eben dies erleichtert es dem heutigen Hörer, der die Noten nicht vor Augen hat und somit weniger strukturell an die Musik herangeht, sich auf den Klang einzulassen. Das Ensemble Micrologus kommt ihm auf diesem Wege entgegen: Zwei Sängerinnen und vier Sänger entwerfen ein aus moderner Sicht natürlich wirkendes, weder übertrieben exotisches noch mit heutiger Stimmbildung unhistorisch kultiviertes Klangbild, in das sich Orgelportativ, Harfe, Laute, Rebec und Viola organisch einfügen; auf die lauten Instrumente der „musica alta“ (Schalmei, Pommer, Zugtrompete bzw. Posaune), wie sie auf zahlreichen Gemälden zu sehen sind, wird hier aus guten Gründen verzichtet, weil die Zuordnung zu diesem Repertoire unsicher ist.

Bei der Interpretation spätmittelalterlicher Musik bleibt vieles Spekulation, weil die Quellen weniger zahlreich und aussagekräftig sind. Dementsprechend kann auch eine Rezension keine endgültigen Wahrheiten verkünden. Zu verzeichnen bleibt aber, daß der Ansatz des Ensembles Micrologus in sich schlüssig ist und auf klanglich ansprechende Weise die bemerkenswerte Qualität der Musik gut zur Geltung bringt.

Theodor Schliehen [06.07.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Landini Musica son (Madrigale a 3 voci)
2 Que pena è quest' al cor (Ballata a 3 voci)
3 Chosì pensoso (Caccia a 3 voci)
4 Cara mie donna (Ballata a 3 voci)
5 Vaga fanciulla (Ballata a 2 voci)
6 L'alma mia piange (Ballata a 3 voci)
7 Per allegrezza (Ballata a 2 voci)
8 O fanciulla giulia (Ballata a 3 voci)
9 Che pena è quest' al' cor (Ballata a 3 voci)
10 Questa fanciull' amor (Ballata a 3 voci)
11 Non creder, donna (Ballata a 2 voci)
12 Orsù, gentili spiriti (Ballata a 3 voci)
13 Non avrà ma' pietà (Ballata a 3 voci)
14 Adiu, adiu, dous dame jolie (Virelais a 3 voci)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ensemble Micrologus Ensemble
 
ZZT050603;3760009290853

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