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CD-Besprechung

Warner Classics 2564 61951-2

1 CD • 65min • 2004

12.07.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Eine Produktion mit einer schönen Dramaturgie: Zwei selten zu hörende instrumentale Hauptwerke von Bohuslav Martinu umrahmen zwei kaum bekannte Vokalwerke von Leos Janácek. Es handelt sich dabei um BBC-Mitschnitte von den Londoner Promenaden-Konzerten, die Warner Classics vermarktet – hier vom 21., 28., 29. Juli und 21. August 2004 aus der Royal Albert Hall. Dabei werden jeweils zwei Aufnahmen mit britischen und zwei mit tschechischen Künstlern einander gegenübergestellt, was zu Vergleichen herausfordert.

Leider sind die Ergebnisse qualitativ unterschiedlich. Die zu Beginn gespielten wunderbaren Fresken des Piero della Francesca klingen unter den Händen von Andrew Davies zwar solide und engagiert gespielt, wirken aber keinesfalls so visionär, wie sie im erfreulich umfangreichen Booklet beschrieben werden. Die drei sinfonisch anmutenden Sätze zerfallen ins Episodenhafte; Davies fehlt der weite Atem und auch der Sinn für die feinen Farbmischungen Martinus. Dank der vorzüglichen Instrumentierungskunst des Komponisten fällt das üblicherweise erdrückende Blech des BBC Symphony Orchestra hier kaum negativ auf; die Tontechniker sind zudem sehr um Durchhörbarkeit bemüht, was insbesondere den Holzbläsern zugute kommt. Leider ist aber von den Bratschen und zweiten Geigen fast nichts zu bemerken. Hört man direkt danach Martinus Doppelkonzert mit dem Prague Philharmonia unter seinem Gründer und Leiter Jiri Belohlavek, dann zeigt sich deutlich, was für ein unvergleichlich besserer Dirigent Belohlavek ist und wieviel mehr klangliche Finesse sein Orchester an den Tag legt. Für Belohlavek ist diese Musik eine Herzensangelegenheit; die Rhythmen treiben rastlos voran und es brodelt beständig unter der Oberfläche – auch wenn die unglückliche Akustik der riesigen Albert Hall die räumliche Trennung der beiden Streichergruppen nur in groben Zügen nachvollziehbar macht.

Man darf dankbar sein für die Begegnung mit den Huckwalder Liedern und dem Vater unser sein, die beide die Verbundenheit Janaceks mit seinem Heimatdorf Hukvaldy reflektieren. Doch auch diese Chorwerke spiegeln ein ähnliches Missverhältnis wider: Der zu Recht hochangesehene Philharmonische Chor Brünn unter Petr Fiala singt die sechs a cappella-Volkslieder innig, schlicht und sehr zu Herzen gehend; der BBC Symphony Chorus unter Stephen Jackson hat hörbare Sprachprobleme und trumpft mit süffiger Fülle und heftigem Vibrato auf, was der Schlichtheit des Werkes widerspricht, auch wenn die Intonation der hohen Stimmen sauberer ist als bei den Kolleginnen aus Brno. Bezüglich der künstlerischen Wertung wie auch des Gesamteindrucks eine 10 für die Böhmen und eine 6 für die Briten, im Durchschnitt also eine 8. Die Tontechnik tat unter den gegebenen Umständen ihr möglichstes, vermag aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß es bis heute in London keine einzige Konzerthalle mit einer rundum zufriedenstellenden Akustik gibt.

Dr. Benjamin G. Cohrs [12.07.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Bohuslav Martinů
1Die Fresken des Piero della Francesca für Orchester
Leoš Janáček
2Hukvalder Lieder
3Vater unser
Bohuslav Martinů
4Konzert für Klaviertrio und Streichorchester

Interpreten der Einspielung

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