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CD-Besprechung

ECM 472 4222

1 CD • 50min • 2001

01.07.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Obwohl die drei vom Cikada String Quartet zusammengestellten modernen Streichquartette zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstanden sind und noch dazu in allen ihren Aspekten kaum heterogener sein könnten, lassen sie sich doch in ihrer Grundmotivation vergleichen. Sowohl für Kaija Saariaho als auch für John Cage und Bruno Maderna heißt diese: aus dem Einzelklang eine Großform zu erschaffen. Am strengsten ging dabei John Cage im frühesten dieser Stücke vor: Für sein 1949/50 entstandenes String Quartet in four Parts legte er nicht nur eine feste rhythmische Struktur fest, sondern noch dazu auf den einzelnen Streichinstrumenten gleichbleibende Tonaggregate, welche die basale Melodie begleiten; das Stück kreist so mit dem immer gleichen Material in sich selbst, wodurch die Vierteilung der Sätze für den Hörer nicht als sinnfällig erfahrbar wird. Vielmehr tastet die Musik sich in kunstvoller Unbeholfenheit vorwärts und stößt dabei wie absichtslos auf tonale Elemente, etwa Mollakkorde.

Wenn dieses Quartett ein Beispiel dafür ist, wie sich die scheinbar obsolet gewordene Tonalität nach 1945 gleichsam anfühlte, läßt sich Saariahos Stück Nymphéa kontrastierend dazu als eine Suche nach einer neuen, komplexen, doch stets naturhaften Harmonik bezeichnen. Die finnische Komponistin schuf 1987 einen ununterbrochenen, klanglich reizvollen Fluß, basierend auf der Spektralanalyse von Obertonphänomenen und gestützt durch Live-Elektronik: Immer neue, oft nur minimal, etwa durch mikrotonale Differenzierung, voneinander abweichende Klänge wuchern auseinander hervor; die Musik ist so naturhaft, daß erst ein von den Spielern geflüstertes Gedicht ein menschliches Moment in den Ablauf hineinbringt. Saariaho braucht solche betont künstlichen Maßnahmen förmlich, um überhaupt formale Markierungen in einem Ablauf anzubringen, der ansonsten der Cage´schen Absichtslosigkeit sehr ähnlich wäre.

Am dichtesten gearbeitet ist Bruno Madernas 1955 entstandenes Quartetto per archi in due tempi von 1955, das auf sehr gestisch-sinnliche Weise motivisches Material, Triller, Tremoli und rhythmische Einheiten in einen Zusammenhang bringt und in seinem zarten Ausdruckswillen am ehesten traditionellen, an Entwicklung interessierten Hörgewohnheiten entspricht. Das Cikada String Quartet widmet sich sowohl dem absichtslosen wie dem absichtsvollen Komponieren mit gleichbleibendem Enthusiasmus und fasziniert mit einer Demonstration der Fülle von Möglichkeiten, Stricharten feinstens zu modulieren.

Dieter Weiss [01.07.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Kaija Saariaho
1Nymphéa (Jardin secret III) für Streichquartett und Elektronik
John Cage
2String Quartet in Four Parts (Lou Harrison gewidmet)
Bruno Maderna
3Quartetto per archi in due tempi (Luciano Berio gewidmet)

Interpreten der Einspielung

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