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CD-Besprechung

Ondine ODE 1055-2D

2 CD • 2h 18min • 2004

02.05.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Tauno Pylkkänen (1918-1980) war mit zehn Opern zu seiner Zeit einer der fruchtbarsten und erfolgreichsten Opernkomponisten Finnlands. Im Theatermilieu aufgewachsen (seine Adoptivmutter war eine bedeutende Tragödin), fand er früh den Weg zur Musik und zum Musiktheater. In vielen Fällen arbeitete er mit der 40 Jahre älteren finnischen Dichterin Aino Kallas zusammen, einer Freundin seiner Mutter.

Das Sujet der Oper Mare und ihr Sohn geht auf ein historisch belegtes Ereignis zurück. Im Bauernkrieg 1343 versuchten sich die Livländer von der Herrschaft der deutschen Ritter zu befreien, wurden aber blutig niedergeschlagen. Der Plan, die Burg von Viljandi einzunehmen, wurde von einer alten Frau an die Ritter verraten, die damit das Leben ihres Sohnes zu retten hoffte. Kallas hat diesen Stoff erst als Novelle verarbeitet, dann als Drama und zuletzt als Opernlibretto. In ihrer Version kann der Sohn Imant die Schande des Verrats nicht ertragen und stürzt sich vom Felsen, die Mutter Mare wird von der Menge gesteinigt.

Pylkkänen, der oft als „finnischer Menotti“ bezeichnet wurde, war ein gründlich ausgebildeter Eklektiker, der die Kantilene à la Puccini mit dem deutschen spätromantischen Orchester verband und eine Wurzel in der finnisch-estnischen Kultur und Musik hatte. Dem archaisierenden Stil der Dichtung versuchte er durch offene Quintenakkorde zu entsprechen. Im zweiten Akt, der auf Burg Viljandi spielt, wird durch Einbeziehung eines Trinkliedes aus Carmina burana und einem eingelegten Lied des Stadtpfeifers mittelalterliche Atmosphäre beschworen.

Trotz des großen Erfolges bei der Uraufführung (Helsinki, 1945) erlebte das Werk bis 1953 nur zwölf Aufführungen und verschwand dann in der Versenkung. Die vorliegende Einspielung, ein Mitschnitt zweier Konzerte im estnischen Tallinn vom Vorjahr, hat nicht nur den Rang einer Ausgrabung, sondern stellt die erste komplette Wiedergabe der Oper überhaupt dar. Mit Rücksicht auf die Sänger hatte der Dirigent der Uraufführung zahlreiche Retuschen an der Orchestrierung vorgenommen und größere Passagen gestrichen.

Hannu Lintu hat nicht nur die Originalpartitur liebevoll rekonstruiert, sondern auch der Einstudierung die äußerste Sorgfalt angedeihen lassen. Das Orchester leuchtet farbenreich auf und überrumpelt immer wieder durch seinen vollen Klang. Die dramatische Spannung kommt über dem sinfonischen Gemälde aber nicht zu kurz. Die Sänger leisten gute Arbeit. Die dramatische Sopranistin Kirsi Tiihonen meistert die abendfüllende, stimmlich sehr belastende Partie der Mare bewundernswert und stößt nur gelegentlich an Grenzen. Raimo Sirkiä als ihr Sohn Imant trumpft mit robustem Heldentenor auf und neigt gelegentlich zum Stemmen. Die beiden Baritonisten Juha Uusitalo als Burgvogt Goswin von Herike und Esa Ruuttunen als alter Jäger Mango hinterlassen einen starken Eindruck und heben sich im Timbre deutlich voneinander ab.

Ekkehard Pluta [02.05.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Tauno Pylkkänen
1Mare and her Son

Interpreten der Einspielung

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