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Besprechung CD

Tudor 7115

1 CD • 71min • 2002, 2004

15.02.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Brahms’ Beiträge für die Klarinette sind seit ihrer Entstehung zu einem Sonderfall der Musikgeschichte geworden. Als reife Alterswerke eines Großmeisters der Sinfonik, Klavier- und Kammermusik des 19. Jahrhunderts sind sie zu einem höchst gewichtigen Anhang eines insgesamt respektablen Gesamtschaffens geworden. "Anhang" deswegen, weil sich der alternde Komponist zuvor entschieden hatte, seine schöpferischen Aktivitäten zu beenden. Doch die Begegnung mit dem hochmusikalischen Meininger Hofklarinettisten Richard Mühlfeld war für Brahms eine Verführung und Herausforderung zugleich, um sich noch einmal mit einer schier unglaublich kreativen Intensität in vier allerletzten Kammermusikwerken diesem Holzblasinstrument zu widmen: dem berühmten Klarinettenquintett, einem Trio für Klavier, Klarinette und Violoncello und zwei klavierbegleiteten Solosonaten. Davon sind hier die drei Letztgenannten von einem hervorragenden Solistenteam eingespielt worden, dem Berliner Philharmoniker Karl-Heinz Steffens, der international renommierten Klaviervirtuosin Michal Friedlander aus Israel und dem Berliner Philharmonikerkollegen Ludwig Quandt als dem Solocellisten am dortigen ersten Pult. Eine traumhafte Kombination!

Wer sich diesen Werken seit längerem mit anderen, vergleichbaren Traumbesetzungen genähert hat, dem wird erneut bewußt, daß diese Klarinetten-"Vermächtnisse" dem Komponisten Johannes Brahms nicht nur alle Ehre machen, sondern daß deren konzentriert-komplexe Werkstrukturen eine alle Parameter gleichzeitig erschöpfende Interpretation im Sinne einer Quadratur des Kreises unmöglich macht. Jeder Kritiker steht – wie auch der Interpret, der Kenner und Zuhörer – vor einem Dilemma: Wird dem sinnlichen Klangreiz oder dem architektonischen Netzwerk der Partituren der Vorrang beim Musizieren eingeräumt? Wie steht es um die Probleme der Instrumentalbalance, da es für Brahms nur "Hauptstimmen" und keine "Begleitung" im üblichen Sinne gibt? Lassen die raffinierten Ballungen, ja, grüblerischen "Knoten" von Harmonik, Dynamik eine gleichzeitig angestrebte Transparenz zu? Immer wieder wird sich der ausübende Künstler zu subjektiven Entscheidungen, zu eigenen Schwerpunkten durchringen müssen. Die vorliegende Fassung strahlt dieses Wissen aus und rührt daher unmittelbar an. Daß dabei agogische Feinheiten, vorsichtiges Verzögern von Phrasenschlüssen, Atemholen im Sekundenbruchteil beim Eröffnen neuer "Brahms-Bögen", Entwicklungen und Ausdruckshorizonte dank einer sensiblen Wiedergabe hart die Grenzen zu ausgeklügelten Manieren streifen, dies ist der Preis einer Näherungslösung zur "Quadratur". Man muß dem mit Beifall zustimmen.

Dr. Gerhard Pätzig [15.02.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Klaviertrio a-Moll op. 114
2Sonate f-Moll op. 120 Nr. 1 für Klarinette und Klavier
3Klarinettensonate Es-Dur op. 120 Nr. 2

Interpreten der Einspielung

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