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CD-Besprechung

Giuseppe Verdi: Messa da Requiem für Soli, Chor und Orchester

EMI 2 CD 5 57848 2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 28.01.05

Klassik Heute
Empfehlung

EMI 5 57848 2

2 CD • 1h 44min • 1993

Die Ausstattung ist sparsamer als bei den vorangegangenen Folgen; statt der stabilen Box ein leichter Faltkarton, die Booklets um die Hälfte dünner, und die Gesangstexte darf sich der geneigte Käufer aus dem Internet herunterladen. Aber muß man nicht froh sein, daß sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten überhaupt eine Firma dazu durchringt, ein solche Veröffentlichung auf den Markt zu bringen? Denn an Umfang, Vielfalt des Gebotenen und inhaltlichem Gewicht steht die neue Folge der Celibidache-Edition ihren Vorgängern um nichts nach.

Widmeten sich jene überwiegend der klassisch-romantischen Sinfonik, so stehen hier nun die großen Chorwerke im Zentrum, deren Aufführungen zu den Höhepunkten von Celibidaches Münchener Tätigkeit zählten. Oft hatten Konzertbesucher wie Rezensenten das Gefühl, Gipfelwerke der musikalischen Überlieferung zum allerersten Mal zu hören, und nicht anders ist der Eindruck dieser Konzert-Mitschnitte, die sich in aufregender Weise von allem Gewohnten unterscheiden. Celibidache gab dem Klang die notwendige Zeit, seinen ganzen Reichtum zu offenbaren und zum Sprechen zu bringen. Und er gab dem Hörer Gelegenheit, die Vielfalt der Erscheinungen im Jetzt zu einer Gesamtschau des jeweiligen Werkes zu integrieren. Zwar kann die Aufzeichnung das einmalige Konzerterlebnis nicht wiederholen, doch vermittelt sie viel von dem, was Celibidache mit seiner Arbeit intendierte. So wird das Anhören der fünfzehn CDs zu einem Abenteuer, das einen mit unwiderstehlichem Sog erfasst und schließlich mit dem Gefühl entlässt, eine musikalische Bewußtseinsveränderung erfahren zu haben.

Bachs h-moll-Messe, die Requiem-Vertonungen von Mozart, Fauré und Verdi sowie Strawinskys Psalmensinfonie tragen alle das Signum von Celibidaches außergewöhnlicher Chorarbeit, die auf textgerechte Artikulation, sorgfältige Phrasierung und genaue Bezugnahme der Stimmen untereinander zielte. Wo haben wir je einen Chor erlebt, der auch im vierfachen forte singt und nicht brüllt? Gleichzeitig entfaltet jedes Stück seine eigene Aura: Mozart in abgeklärter Gelöstheit, Fauré in tiefer Verinnerlichung und Verdi in all seiner Großartigkeit als organisches Ganzes, nicht als Abfolge von Zirkusnummern. Das erstaunlichste Zeugnis ist ohne Frage Bachs h-moll-Messe, in der Celibidache mit relativ kleiner Besetzung, minutiöser Detailarbeit und unkonventionellen Tempi den innersten Triebkräften eines jeden Satzes nachspürt.

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Edition liegt bei russischer Musik, zu der Celibidache immer eine besondere Affinität besaß. Wie Tschaikowsky durch beseeltes Spiel aufgewertet wird, demonstriert die von Sentimentalität wie metronomischer Nüchternheit gleich weit entfernte Wiedergabe der vierten Sinfonie. Rimsky-Korsakoffs Scheherazade präsentiert sich suggestiv, immens farbig und von vollendeter sinfonischer Statur. Die Schostakowitsch-Sinfonien Nr. 1 und 9 erscheinen als atemberaubende Gratwanderungen zwischen zarter Lyrik und beißender Ironie, und Prokofieff ist mit der aus dem Fernsehfilm bekannten Aufführung der Symphonie classique und einer brillanten, vorbildlich klar strukturierten Wiedergabe der Fünften, einem von Celibidaches Paradestücken, vertreten.

Nicht minder wertvoll sind die beiden CDs mit Ouvertüren von Rossini (Wilhelm Tell, Semiramis, Die seidene Leiter, Die diebische Elster), Verdi (Macht des Schicksals), Mozart (Don Giovanni), Berlioz (Römischer Carneval), Mendelssohn (Sommernachtstraum, Hebriden), Schubert (Rosamunde), Strauß (Fledermaus) und Smetanas Moldau. Solche „kleinen“ Werke nahmen in Celibidaches Repertoire einen wichtigen Platz ein, wie die plastisch ausgearbeiteten, effektvollen Darbietungen beweisen. Wagners Vorspiel und Liebestod aus Tristan und Isolde, nur auf einer Bonus-CD innerhalb dieser Box erhältlich, ist ein Gipfelpunkt von Celibidaches Kunst. Besonderer Dank gebührt den Verantwortlichen für die Einbeziehung der Werke von Milhaud (Suite francaise und Konzert für Marimba, Vibraphon und Orchester mit Peter Sadlo) und Roussel (Petite Suite und Suite en Fa), die von außerordentlichem Repertoire-Wert sind und unter Celibidache Wiedergaben von höchster Raffinesse und Subtilität erfahren. Weshalb Tschaikowskys Nussknacker-Suite mit nicht einmal 30 Minuten Spieldauer eine ganze eigene CD einnimmt, bleibt das Geheimnis des Produzenten. Man hätte sie problemlos auf der Bonus-Scheibe mit unterbringen oder die CD mit weiteren Aufnahmen füllen können. Es gibt wahrhaftig noch genug lohnendes Material, das der Veröffentlichung harrt. (Allerdings sollte man endlich von der albernen Gepflogenheit Abstand nehmen, den Applaus auf den CDs zu verewigen.)

Alles in allem ist diese Box eine herausragende Veröffentlichung. Sie erinnert eindringlich daran, was die Musikwelt durch den Tod dieses unbeirrbaren Mahners verloren hat und setzt ein Zeichen gegen die Sensationslust des heutigen Musikbetriebs und die Oberflächlichkeit heutigen Musizierens. Vielleicht wird dieses auch in München erkannt, wo man Celibidaches Lektion am schnellsten und gründlichsten vergessen zu haben scheint. Wer Ohren hat zu hören, der höre.

Zu den einzelnen CDs:

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Peter T. Köster † [28.01.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Verdi Messa da Requiem für Soli, Chor und Orchester

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Elena Filipova Sopran
Reinhild Runkel Mezzosopran
Peter Dvorsky Tenor
Kurt Rydl Baß
Philharmonischer Chor München Chor
Münchner Philharmoniker Orchester
Sergiu Celibidache Dirigent
 
5 57848 2;0724355784827

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