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CD-Besprechung

BIS 1253

1 CD • 73min • 2003

08.11.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

32 Jahre ist es her, daß der brasilianische Pianist Arnaldo Cohen den Bozener „Busoni“-Wettbewerb gewann. In den folgenden Jahren vermochte er auf deutschem Konzertboden niemals recht Fuß zu fassen – ein Schicksal, das er mit so manchem Sieger internationaler Wettbewerbe teilt, das jedoch keinesfalls voreilige Rückschlüsse auf die Qualität oder auf das Ausstrahlungsvermögen eines Künstlers auslösen sollte. Die eine oder andere diskographische Nachricht, die ich in den letzten Jahren erhielt (etwa im Rahmen des Liszt-Projektes bei Naxos) war nicht dazu angetan, in Euphorie zu geraten. Umso erstaunlicher (und erfreulicher) ist es, wenn Cohen nun – gewissermaßen im zweiten pianistischen Frühling! – ein Liszt-Programm vorlegt, dem es weder an Brillanz und Passion, noch an konstruktiver Gescheitheit mangelt. Am ehesten noch könnte man in der zweiten Hälfte der Spanischen Rhapsodie etwas mehr an iberischem Zungenschlag, an Durchzug und finalem Aberwitz anmahnen, doch steht hier dem insgesamt redlich operierenden Cohen die unübertroffene frühe Cziffra-Version (EMI CZS 767366 2) im Wege.

Genug der leisen Schelte, denn Cohen nimmt sich für die sinnierenden, rezitativisch aufgerauhten Passagen der h-Moll-Sonate genau jene Zeit (und Muße), die diese im Kontrast zum übrigen rasanten Treiben erfordern. Es kommt daher zu einer Spieldauer von 31’ Minuten. In diesem Zusammenhang erinnere ich daran, dass Sviatoslav Richter meinte, eine Darbietung der h-Moll-Sonate unter 30 Minuten könnte niemals rechtens sein. Das bedeutet aber nicht, dass der Spieler etwa in der Oktaven-Stretta nicht kräftig hinlangen sollte. Cohen hat das Zeug, zu spurten und mächtige Klangberge zu schichten. Schon der Beginn der Funérailles erbebt unter den tiefen Schlägen sozusagen in den Unterleib des Instruments. Cohen versteht es, das Wichtige vom Nebensächlichen zu trennen, er kümmert sich um die Übergänge, führt den Hörer von Station zu Station – und er nutzt auch die Möglichkeiten, in der Vallée d’Obermann-Geschichte, das Weiche vom Harten, das Kalte vom Heißen zu unterscheiden. Eine wichtige Liszt-Veröffentlichung mithin, die auf nächste Initiativen hoffen läßt.

Peter Cossé † [08.11.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Liszt
1Les Funérailles S 173 Nr. 7 (from: Harmonies poétiques et religieuses)
2Rhapsodie espagnole S 254 (Folies d'Espagne et jota aragonesa)
3Vallée d'Obermann S 160:6 (Années de Pèlerinage - première année: Suisse S 0160)
4Klaviersonate h-Moll S 178

Interpreten der Einspielung

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