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CD-Besprechung

EigenArt 10300

1 CD • 68min • 2003

23.12.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Ist es der Mut zum Ungewöhnlichen oder schlichte Gleichgültigkeit Erwartungshaltungen gegenüber, welche das kleine EigenArt-Label dazu bewogen hat, eine CD mit Werken herauszugeben, die abgesehen von der Besetzung praktisch nichts miteinander zu tun haben? Denn außer der Tatsache, daß in allen drei Werken das Cello eine primäre Rolle spielt, verbindet Edvard Griegs a-Moll-Sonate, Leos Janáceks Pohádka (beide für Cello und Klavier) und Sofia Gubaidulinas Zehn Präludien für Violoncello solo weder die Klangsprache, die zeitliche und räumliche Entstehung noch die musikalische Ästhetik.

Den Beginn dieser CD machen die 1974 geschriebenen Präludien von Gubaidulina. Die sich jeweils einer speziellen Spieltechnik widmenden Werke nannten sich ursprünglich Etüden, und der primär pädagogische Zweck ist ihnen auch anzuhören. In der Interpretation durch den 1972 in Münster geborenen Cellisten Dirk Wietheger gewinnen die zehn teilweise sehr kargen Stücke aber durchaus jene Qualitäten, die zur Umbenennung führten. Wiethegers konzentriertes und vor allem in leisen Passagen ausgesprochen feinnerviges Spiel verknüpft die einzelnen Sätze nicht nur in ihrer Absicht als Ausbildung zum modernen Cellospiel, sondern formt sie zudem zu einer Schule des Hörens. Seine Bogenstriche und Pizzicati sind mit chirurgischer Präzision gesetzt und öffnen so den Raum zwischen den Noten. Die nach trockenen Spielanweisungen benannten Sätze öffnen jeweils für sich eine eigene matte Klangfarbe, die sich dann ausbreitet und unter verschiedensten Perspektiven ausgespielt wird.

Hört man unmittelbar danach Janáceks 1910 geschriebenes, 1913 und 1923 überarbeitetes Duo Pohádka (Märchen), so wirken die weichen und impressionistisch anmutenden Klangfarben wie das Erreichen einer Oase nach einem langen Wüstenmarsch. Zudem wendet sich Wiethegers Spiel hier auch stark subjektiv eingefärbten Klangfarben zu. Die Partnerschaft mit der japanischen Pianistin Atsuko Seki wirkt harmonisch und lebendig, wenngleich die Initiativen hinsichtlich der musikalischen Aussage primär von Wietheger ausgehen. Besonders deutlich wird dies im dritten Satz, in dem Seki die rhythmischen Akzente etwas zu weich und unverbindlich setzt.

Den Abschluss bildet ein Schlüsselwerk der Celloliteratur in der skandinavischen Romantik, Griegs a-Moll-Sonate op. 36 aus den Jahren 1882/83. Schon zu Beginn wird deutlich, daß es in dieser Präsentation mit viel Gewicht zur Sache geht. Die Themen der Exposition werden nicht nur vorgestellt, aus ihnen werden mit Nachdruck Aspekte der Emotion herausgepresst. Das gibt der Interpretation zwar eine spannungsgeladene Grundstimmung, die Atmosphäre scheint insgesamt aber mehr von außen als durch die Werksubstanz selbst bestimmt. Seki verschärft immer wieder Tempo und Dynamik, ohne die sich anbahnende Spannung aber wirklich zu erreichen oder gar logisch in ruhige Momente zu überführen. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Das Klangbild gibt die Instrumente hinsichtlich der Klangfarbe mit viel Sauberkeit wieder, wobei sich Cello und Klavier um eine Spur zu sehr vom räumlichen Zentrum (Cello: links, Klavier: Mitte rechts) entfernen.

Robert Spoula [23.12.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Sofia Gubaidulina
1Zehn Präludien für Violoncello solo
Leoš Janáček
2Pohádka (Märchen)
Edvard Grieg
3Sonate op. 36 für Violoncello und Klavier

Interpreten der Einspielung

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