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CD-Besprechung

Giovanni Battista Ferrandini: Catone in Utica (1753)

OehmsClassics 3 CD OC 901

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 06.07.04

OehmsClassics OC 901

3 CD • 3h 08min • 2003

Bereits im jugendlichen Alter von 12 Jahren kam der Venezianer Giovanni Battista Ferrandini nach München: 1722 wurde er als Oboist in die bayerische Residenzstadt verpflichtet, kurz danach trat er auch in die Hofkapelle ein und profilierte sich früh mit eigenen Kompositionen. Das war für einen begabten Instrumentalisten seiner Generation nichts ungewöhnliches; was Ferrandini allerdings aus der Masse belangloser gleichzeitiger Musikproduzenten hervorhebt, ist der Umstand, dass er mit immerhin noch jungen 22 Jahren vom Kurfürsten Karl Albrecht zum Kammerkomponisten ernannt wurde. Bald schon machte er durch dramatische Kompositionen auf sich aufmerksam, und seine Opern und Serenaden wurden schnell zu einem unverzichtbaren Bestandteil des höfischen Musiklebens. Karl Albrecht war ein höchst ambitionierter Souverän, der es immerhin so weit brachte, dass er das Dauerabonnement der Habsburger auf den römisch-deutschen Kaiserthron unterbrechen konnte: Drei Jahre lang saß er zum Zorn der in Wien ungeduldig im Wartestand sitzenden Maria Theresia auf dem Kaiserthron. Als Karl Albrecht 1745 starb, musste sein Sohn Max III. Joseph einsehen, dass für eine neue Kaiserwahl in der Wittelsbachischen Kasse kein Geld mehr war. Maria Theresias Gemahls Franz erhielt also nach Wiener Wunsch die Kaiserkrone, und die österreichische Welt war wieder in Ordnung. Bayern aber lag finanziell darnieder; Ferrandinis nächste große Stunde läutet erst wieder 1753 zur Einweihung des neuen Hoftheaters, das der Kurfürst hatte erbauen lassen, nachdem das alte Haus ein Raub der Flammen geworden war. Ferrandini komponierte zu diesem Anlass das Libretto Catone in Utica des berühmten Metastasio, das dem Münchner Publikum bereits aus dem Jahr 1736 als letzte Opernkomposition des damaligen Hofkapellmeisters Torri bekannt war.

Ferrandini seinerseits bietet eine Komposition der neuesten Mode an: funkelnde Koloraturenpracht und hochartifizielle Rezitative überlagern die althergekommene barocke Gestaltung der Affekte in einem Maß, dass man gut erkennen kann, dass einzig die neue Wiener Klassik eines Haydn und Mozart dieser Art Kunstverständnis des Rokoko wieder ein intellektuelles und emotionales (und damit künstlerisches) Niveau geben sollte, das den Leistungen Georg Friedrich Händels und Johann Adolph Hasses Opernschaffen entsprechen konnten. Ferrandinis Catone in Utica wirkt gegen Händels große Opern wie ein bemühtes Artefakt; und das liegt nicht allein an der unerschöpflichen musikalischen Phantasie Händels, sondern an seiner vorausschauenden Fähigkeit, die stereotypen Figuren der überkommenen barocken Opera seria in ein Szenarium agierender Personen zu überführen, ohne dabei die überkommenen musikalischen Konventionen zu verlassen. Mit diesen genialen Fähigkeiten des Mittlers zwischen Altem und Neuem hat sich Händel als Brücke zwischen barocker Tradition und klassischem Aufbruch gezeigt. Damit hat er der Opera seria denselben Dienst erwiesen wie in Frankreich Jean Philippe Rameau der tragédie lyrique Jean Baptiste Lullys, die er mit seinem dramatischen Neuansatz revolutionierte.

Die vorliegende Aufführung von Ferrandinis Catone in Utica läßt leider bei aller Kunstfertigkeit die artifiziellen Schwächen der Oper deutlich hervortreten und wird so unfreiwillig zu einem ästhetischen Zeugen einer artistischen Leistung, die zwar durch Virtuosität besticht, doch nicht mit Ernsthaftigkeit zu überzeugen vermag. Bedauerlich dabei ist, daß die Interpretation selbst keinen kritischen Abstand zum Werk aufbaut, der mit einer charmant-galanten Grundhaltung der Oper doch wenigstens ihre ursprüngliche Grazie hätte erhalten können.

Freunde der Barockoper werden hier allerdings unbestritten ein interessantes neues Stück in ihre Sammlung einverleiben können.

Detmar Huchting [06.07.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G.B. Ferrandini Catone in Utica (1753)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Kobie van Rensburg Catone - Tenor
Simone Schneider Marzia - Sopran
Johnny Maldonado Arbace - Alt
Robert Crowe Cesare - Sopran
Florian Simson Fulvio - Tenor
Sandra Moon Emilia - Sopran
Neue Hofkapelle München Orchester
Christoph Hammer Leitung
 
OC 901;4260034869011

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