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CD-Besprechung

cpo 999 596-2

1 CD • 77min • 2001

11.05.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Der Norweger Christian Sinding hatte, so scheint es, ein großes Stehvermögen. Er sieht, wie trotz eines Gesamtwerkes von mehr als 130 gezählten Kompositionen eigentlich nur sein Klavierstück Frühlingsrauschen durch die Welt zieht, indessen sein Œuvre mehr und mehr den neueren Mode-Erscheinungen geopfert wird; und doch schreibt er noch wenige Jahre vor seinem Tod eine vierte Sinfonie mit dem programmatischen Titel Winter und Frühling – ein beinahe achtzigjähriger Romantiker, der noch einmal mit großem handwerklichen Können und bewundernswerter Inspiration ein Glaubensbekenntnis formuliert, in dem es keinen Platz für modernistische Tüfteleien gibt.

Der frühlingshafte Aufschwung dieses Werkes bildet den Abschluß einer CD, die ganz so klingt, als ließe eine heute nicht mehr ganz aktuelle Göttin den bunten Inhalt ihres Füllhorns auf uns herniederrieseln. Zu Beginn schäumt die dritte Sinfonie aus dem Jahre 1919 mit einer solchen orchestralen Brillanz empor, daß es einen sogleich wie über Wildbäche durch knospende Landschaften dahintragen will. Bald aber stellen sich andere Assoziationen ein: Klingt das Con fuoco nicht wie die imaginäre Begegnung der Antipoden Richard Wagner und Robert Schumann, die sich über die Möglichkeit unterhalten, einige Themen der rheinischen Sinfonie in Die Meistersinger zu integrieren?

Der „Gipfelkonferenz” des ersten Satzes und einem innigen, weiträumigen Andante folgt als die größte Überraschung des Werkes ein raffiniertes, jugendliches, instrumental und rhythmisch geschliffenes Scherzo, in dem ein absolut unwiderstehliches Fagott-Solo von Oberon und Miranda singt, deren Zauber sogar noch heute wirkt, wo wir’s doch eigentlich „besser” wissen müßten. Daß Sinding das sattsam bekannte „Finalproblem” nicht wirklich gelöst hat, sollte man nicht überbewerten – daran sind auch andere und bekanntere Kollegen verschiedentlich gescheitert; die Leistungen des kraftvoll und subtil agierenden Dirigenten David Porcelijn und der mit denkbar guter Laune musizierenden NDR Radiophilharmonie überstehen diesen strukturellen Schwachpunkt so gut wie man ihn nur überstehen kann. Ein mit vielen Detailinformationen ausgestatteter Kommentar gibt gründlichen Aufschluß über den standhaften, im Umgang anscheinend recht komplizierten Norweger.

Rasmus van Rijn [11.05.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Christian Sinding
1Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 121 (1919)
2Sinfonie Nr. 4 op. 129 (Winter and Spring, Rhapsodie für Orchester, 1936)

Interpreten der Einspielung

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