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CD-Besprechung

Hyperion CDA67456

1 CD • 72min • 2003

30.04.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Anders als üblich gruppiert Stephen Hough auf seiner Chopin-Einspielung die beiden Werksammlungen der jeweils vier Balladen und Scherzi – also nicht in Blöcken. Der Nr. 1 aus den Balladen lässt er die Nr. 1 aus der Scherzo-Serie folgen, womit aus kundiger Interpretenperspektive einmal mehr die Einschätzung bestätigt wird, dass es sich bei beiden Themenkreisen nicht um echte „Zyklen“ handelt. Oft, allzu oft werden ja im Konzertsaal vier Balladen bzw. vier Scherzi im quasi-zyklischen Zusammenhang dargestellt, was – ebenso wie bei den Nocturnes, Polonaisen oder den Walzern – zu dramaturgischen Unausgewogenheiten, im Endeffekt (besonders wenn man 21 Nocturnes hintereinander spielt!) zu Eintönigkeit führt. Auf der CD verhält es sich natürlich etwas anders, denn die leichte Zugriffsmöglichkeit zu einzelnen Titeln versetzt den Hörer in die Lage, eigene „Programme“ zusammenzustellen.

Houghs Chopin-Spiel gewinnt an Linie, Kontur und Atmosphäre durch eine gewissermaßen bewegte und bewegliche Bedachtsamkeit, die zum Glück nicht von studiomäßiger Kontrolliertheit überlagert ist. Man kann das sehr plastisch anhand des Scherzos Nr. 1 in h-Moll zeigen, dessen riskant die Klaviatur hinaufschießende Akkordzerlegungen und dessen wildes Passagennetzwerk von Hough mit Umsicht, das heißt: im „machbaren“ Tempo entwirrt wirken. Immer wieder laufen ja diese Episoden dem emotional geforderten und dementsprechend überhitzten Pianisten aus dem manuellen Ruder. Hough besitzt also die nötige Kühle, um der hohen Temperatur auch der anderen Stücke und Werksegmente (etwa in den Etüden-ähnlichen Akkordsalven der zweiten Ballade oder im überaus logisch angelegten Finale der f-Moll-Ballade) gerecht zu werden. In den lyrischen Abteilungen wird man keine Zaubereien, keine schönen Un- und Überwirklichkeiten erleben, doch insgesamt wage ich zu sagen, dass es aus den Händen eines englischen Pianisten schon lange keine so überzeugenden Chopin-Darstellungen mehr gegeben hat.

Peter Cossé † [30.04.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Frédéric Chopin
1Ballade Nr. 1 g-Moll op. 23 – Largo - Moderato
2Scherzo Nr. 1 h-Moll op. 20
3Ballade Nr. 2 F-Dur op. 38
4Scherzo Nr. 2 b-Moll op. 31
5Ballade Nr. 3 As-Dur op. 47
6Scherzo Nr. 3 cis-Moll op. 39
7Ballade Nr. 4 f-Moll op. 52 Nr. 4
8Scherzo Nr. 4 E-Dur op. 54

Interpreten der Einspielung

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