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CD-Besprechung

John Tavener – A Portrait

John Tavener – A Portrait

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 29.06.04

Naxos 8.558152-53

2 CD • 2h 35min • 2001-2003

Spricht Gott in Rätseln (Cage), im universellen Geist des Menschen (Beethoven), im Gesang der Gestirne (Stockhausen), in der Stille (Feldman) oder einfach auch in der spirituellen Eleganz melodisch-rhythmischer Bewegung (Mozart/Messiaen/McCartney) – oder spricht Gott mit besonderer Vorliebe doch lieber in einem synagogalen Hebräisch, einem Kirchenlatein oder in einem deutschen Bach-Choral-Tonfall? Wenn Gott vielleicht tatsächlich in all diesen Sprachen oder „Musik-Kanälen“ spricht, warum sollte er dann nicht auch in dieser Musik hier sprechen, die ihr Komponist John Tavener als „divine dictation“ versteht. Der Hörer allerdings wird nicht mehr oder minder ehrfürchtig sein als bei den oben genannten „Kanälen“, denn ihm geht es nicht nur um die Frage, ob diese Musik wahrhaftig und spirituell ist, sondern auch, ob sie intensiv, musikalisch einzigartig, in ihrer Transzendenz unberechenbar (siehe Mozart) und in diesem Sinne vielleicht wirklich ein geistiger Motor ist!

Die hier teils auch in Ausschnitten vorgestellten Werke des 1944 in London geborenen John Tavener strahlen eine große Ruhe und Schlichtheit aus, aber der Gestus des Spirituellen wirkt dabei doch auch ein wenig herbeizitiert. Die musikalische Archaik des zum russisch-orthodoxen Glauben konvertierten Komponisten ist so statisch und statuarisch, so in sich selbst ruhend, so zuständlich und in jeder Faser antidynamisch, daß man darin zwar stets Archetypen des Spirituellen erkennt, aber eben nur in einem sehr bildhaften, klischeehaften Sinne und nicht wirklich ausgestattet mit dem Unfaßbaren, Unerhörten oder Ungehörten, das ja aus menschlicher Sicht auch ein Merkmal des Transzendenten sein sollte. Solche Elemente bleiben hier fern – ganz im Gegensatz zu Pärts Tabula Rasa oder zu Messiaens dynamischem Spiritualismus; die Bewegung der Musik hat stets etwas Rezitierendes, ja fast Buchstabierendes, nichts, was sozusagen von selbst schwingt. Dennoch gibt es Momente, in denen die Musik in einer so großen Ruhe bei sich selbst ist, daß man ihr glauben mag, so etwa in den plötzlichen Verlangsamungen der chorischen Rezitation in Das Lamm oder in den eindringlich-monotonen Wiederholungen in Prayer of the Heart, denen Pop-Star Björk seine außergewöhnliche, hier wirklich transzendent wirkende Stimme verleiht. Die in ihrem Timbre großartige Sängerin wirkt hier zweifelsfrei als Höhepunkt dieser Werk-Dokumentation, aber in anderen Werken bleiben die Interpreten wiederum so unemphatisch, dass man niemals ganz sicher ist, ob das nur ein Aspekt lauer Interpretation ist oder ein wirklicher Aspekt der musikalischen Stilistik. Neben Björk ragt auch die Cellistin Maria Kliegel positiv heraus, die den exklusiven, groß angelegten Cellopart in The Protecting Veil mit einer großen Leuchtkraft und Gesanglichkeit ausstattet.

Ein aufgezeichnetes Interview mit dem Komponisten weist diese Edition insgesamt als „zum Kennenlernen“ aus.

Hans-Christian v. Dadelsen [29.06.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Tavener In Alium
2 To a Child Dancing in the Wind
3 The Lamb
4 The Tyger
5 Ikon of Light
6 Mandelion
7 Chant für Gitarre
8 Ikon of Saint Cuthbert of Lindisfarne
9 Protecting Veil für Violoncello und Streichorchester
10 Mary of Egypt
11 Akhmatova Songs
12 Diódia
13 Song For Athene

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Eileen Hulse Sopran
Choir of St. John's College Cambridge Chor
The Sixteen Chor
Maria Kliegel Violoncello
Takuo Yuasa Dirigent
Harry Christophers Dirigent
u.a. Dirigent
 
8.558152-53;0636943815229

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