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CD-Besprechung

Mozart: Das Gesamtwerk für Klavier solo (Vol. 8)

Mozart: Das Gesamtwerk für Klavier solo (Vol. 8)

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 01.09.98

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BIS BIS-CD-895

1 CD • 63min • 1997

Wer sich, wie Ronald Brautigam, an Mozarts Klavierkompositionen begibt, um diese via CD der Öffentlichkeit darzubieten, der muß schon ein gerüttelt Maß an Selbst- und Sendungsbewußtsein mitbringen. Sogar auf dem Fortepiano ist das Thema ja nicht mehr neu. Der in Amsterdam geborene Ronald Brautigam, Jahrgang 1954 und mit dem Niederländischen Musikpreis ausgezeichnet, ist nicht per se ein Aufführungs-„Authentiker“. Er studierte unter anderem bei Rudolf Serkin, tat sich auch auf kammermusikalischem Gebiet hervor – etwa zusammen mit Isabelle van Keulen – und konzentrierte sich erst in den letzten Jahren auf das Thema „Mozart und das Fortepiano“. Das hier gespielte Instrument ist eine Walter-Nachbildung des in Amsterdam wirkenden Paul McNulty aus dem Jahr 1992. Aufgenommen wurde in einer schwedischen Kirche, wodurch das allgemein gegenüber dem modernen Konzertflügel als „schmalbrüstig“ empfundene Fortepiano automatisch einen gewissen Zuwachs an Volumen erfährt. Wenn es von Mozart selbst heißt, dieser habe anno 1774/75 noch nicht allzuviel Routine bewiesen im Umgang mit dem (neuen) Instrument, als er dieses erstmals in München spielte, so besitzt Brautigam diese Erfahrenheit umso mehr: seine Interpretation verharrt keineswegs nur in näselndem mezzavoce, sondern bringt die dynamische Bandbreite der Stücke voll zur Geltung; keineswegs überpointiert, aber doch musikantisch zupackend und in bestem Sinne inspiriert vom „Material“ selbst. Überzeugend auch Brautigams Spiel mit dem Faktor „timing“ – sein Eingehen auf den Raum und die Nachwirkung von Klängen in diesem. Ungewohnt erscheint in diesem Zusammenhang etwa die Eröffnung der vielgeschundenen d-Moll-Fantasie, deren Eingangs-Arpeggio er nicht (wie so oft zu hören) mechanisch auffaßt, sondern als quasi-rezitativischen Prolog. Allein hierin vollzieht sich ein gewisser Wandel vom vermeintlichen „Schülerstück“ zur gehaltvollen Aussage, die immerhin aus Mozarts Reifezeit datiert. Die bewußt eingesetzten Kunstpausen zwischen den einzelnen Teilen bewirken ein übriges, vor allem dies: man hört hin. So, wie die gesamte Einspielung förmlich zum Zuhören nötigt. Nicht zuletzt natürlich, weil in dieser achten Folge das eine oder andere „Schmankerl“ zum Besten gegeben wird – Stücke, die nicht zum allgemein Bekannten zählen. Etwa die dreiteilige Ouverture KV 399 aus dem Jahr 1782, die Mozart als eifrigen Studiosus vergangener (und unter den eigenen Zeitgenossen bereits als „verstaubt“ gehandelter) Kontrapunkt-Technik ausweist. Das alles wird präsentiert in bester Aufnahmetechnik und mit einer Prise Überakustik, die ein wenig von historischer Patina in sich trägt: Nachhall auf Amadé.

Matthias Keller [01.09.1998]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W.A. Mozart Zehn Variationen über "Unser dummer Pöbel meint" von Christoph Willibald Gluck G-Dur KV 455
2 Ouvertüre KV 399
3 Marche funèbre
4 Variationen über "Dieu d'amor" F-Dur KV 352 (Grétry-Variationen)
 
BIS-CD-895;7318590008959

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