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CD-Besprechung

col legno WWE 20211

1 CD • 63min • 2002

12.09.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Der 1952 geborene Komponist, der dieses Jahr mit dem hochdotierten Ernst von Siemens Musikpreis ausgezeichnet wurde, gehört zu den produktivsten Künstlern der Gegenwart. Vor allem ein Orchesterkomponist, schrieb Rihm bis dato aber auch zwölf Streichquartette.

Das 1988 gegründete Minguet Quartett nimmt sich nun des gesamten Quartettschaffens des in Karlsruhe und Berlin lebenden Komponisten an. Rihms Musiksprache wird gerne als expressiv oder triebhaft beschrieben, eine Bezeichnung, die jedoch allzu leicht die feinen, die Expression dieser Musik selbst in Frage stellenden Zwischentöne vergisst. Die vorliegende CD mit den ersten, zwischen 1970 und 1981 entstandenen vier Quartetten gibt dabei den interessanten Weg von Rihms kompositorischer Entwicklung wieder. Das Minguet Quartett nähert sich den ersten beiden kürzeren Werken mit spürbar hoher Konzentration, ohne im Rausch des energetisch hohen Spiels die eigene, aus der Tradition des Quartettspiels geborene Klangkultur anzukratzen. Auch Rihms drittes Quartett mit dem nicht unproblematischen Beinamen Im Innersten gerät hier nicht zur Nabelschau, zur Schaustellung von klanglichen Extremzuständen. Fein abgestimmt, mit einem sehr offenen Ohr für feine Nuancen wird hier musiziert, nicht zu vergessen mit einer glasklaren Intonation. Die Aspekte dieser Musik, namentlich ihre expressive Gewalt, ihre flirrend-schneidende Helligkeit, ihre schattenhafte Mattigkeit, aber auch ihre Sehnsucht nach romantischer Verklärung oder ihre totengleiche Stille werden nie aufdringlich oder penetrant. Der Hörer bleibt sich quasi selbst überlassen und kann die Offenlegung von Rihms musikalischem Ich gleichsam aus der Distanz heraus betrachten. Das tut gut, auch beim vierten Quartett, dessen mehr zerrissener Charakter zusammen mit einer fast besessenen Rhythmik dieses Werk sperriger und insgesamt unnahbarer erschienen lässt.

Der Klang dieser Aufnahme ist glasklar, räumlich ausgewogen und von der Balance der Instrumente her gesehen stimmig. Ein Manko stellt allerdings das Booklet dar. Wer sich hier biographische Hintergründe, einführende Texte oder gar Werkanalysen erwartet, wird schwer enttäuscht. Ein recht belangloser Kommentar von Florian Hauser ist neben der Quartettbiographie und zwei Notenbeispielen alles, was im Beiheft zu finden ist. Zwar spricht Rihm selbst immer wieder davon, dass seine Musik alleine für sich sprechen sollte, doch besitzt diese CD ja auch einen gewissen editorischen Wert. Und das ist dieses Manko leider mehr als ein Schönheitsfehler.

Robert Spoula [12.09.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Rihm
1Streichquartett Nr. 1 op. 2 (1970)
2Streichquartett Nr. 2 op. 10 (1970)
3Streichquartett Nr. 3 (Im Innersten, 1976)
4Streichquartett Nr. 4

Interpreten der Einspielung

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