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CD-Besprechung

Robert Schumann Symphonies

NCA 60125-315

2 CD • 2h 08min • 2002

07.02.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Eine in jeder Hinsicht halbherzige Produktion: Die Aufmachung will durch anspruchsvolles Papp-Klapp-Cover bestechen, doch das informative, lesenswerte Booklet ist nicht herausnehmbar. Mit dem Herausgeber Joachim Draheim hat man sich einen kundigen Wissenschaftler als Berater und Booklet-Autor für die Produktion an Land gezogen, der noch dazu das Scherzo der von Schumann aufgegebenen c-Moll-Sinfonie von 1841 kundig instrumentiert hat; es wurde hier als Weltpremiere beigegeben. Doch der Frontaufdruck wirbt mit dem Hinweis auf die "erste Gesamtaufnahme" der neuen Breitkopf-Urtext-Edition; andererseits fehlen die sehr abweichende Urfassung der Vierten, die Fragment gebliebene Zwickauer Sinfonie wie auch die verkappte Sinfonie Ouvertüre, Scherzo und Finale. Der Autor weist darauf hin, daß sich bei dieser Einspielung Orchesterstärke, Sitzordnung und Instrumente an "Vorgaben aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts" orientieren, doch nennt er dazu keine Details.

Zum beteiligten Czech Chamber Philharmonic Orchestra finden sich im Booklet keinerlei Informationen – eine derartige Degradierung wird der ausgezeichneten Leistung dieses Orchesters nicht gerecht. Ob man nach dem Anhören dieser Aufnahmen dem Booklet darin zustimmen kann, daß der Dirigent Douglas Bostock zu den "angesehensten britischen Dirigenten seiner Generation" zählt, ist fragwürdig. Gewiß, Bostock hat eine durchaus differenzierte und beredte Schumann-Umsetzung erarbeitet. Die Aufstellung (Geigen links/rechts, Violen links hinten, Celli rechts hinten, Kontrabässe rechts) und kleine Besetzung der Streicher garantieren ohnehin von selbst optimale Durchhörbarkeit und Balance. Auch manche Details sind erfreulich – beispielsweise ist endlich einmal in der Vierten das Tempo der Wiederholung des Sinfonie-Beginns in der Romanze das gleiche wie anfangs („ziemlich langsam“). Viele Dirigenten verfehlen diese Vorschrift von Schumann. Doch ist die Produktion insgesamt das beste Beispiel dafür, das 'Musical Correctness' noch lange kein Garant für ansprechendes Musizieren ist: Bostock buchstabiert mit unerträglicher Verbissenheit die Partituren herunter. Da klingt – ähnlich wie bei Gardiner – nichts atmend, gelöst, sehnend, schwelgerisch, ergreifend oder überwältigend; die Musik ist vielmehr bei aller vorgeblichen Beredtheit nahezu jeglichen Ausdrucks beraubt.

Angesichts einer solchen Produktion bedauert man einmal mehr, daß Roger Norrington nie alle Schumann-Sinfonien eingespielt hat: Wie er es in der Dritten und Vierten (Virgin 5 61734 2) bei aller historischen Informiertheit verstand, den Hörer auch ins Herz zu treffen und mitzureißen, ist meines Erachtens bis heute auf CD nicht wieder erreicht worden.

Dr. Benjamin G. Cohrs [07.02.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Robert Schumann
1Sinfonie Nr. 1 B-Dur op. 38 (Frühlingssinfonie)
2Scherzo g-Moll
3Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120
4Sinfonie Nr. 2 C-Dur op. 61
5Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 (Rheinische)

Interpreten der Einspielung

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