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CD-Besprechung

Wilhelm van Wassenaer Concerti armonici

Naxos 8.555384

1 CD • 59min • 2000

08.01.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die sechs Concerti armonici erschienen 1740 anonym in Den Haag. Herausgeber war Carlo Ricciotti, der in seinem Vorwort nur andeutete, daß die Stücke aus vornehmer Hand stammten. Lange wurde über die Urheberschaft gerätselt; im 19. Jahrhundert galt Pergolesi als Autor, was auch Strawinsky noch glaubte, als er in seiner Pulcinella-Suite den Schlußsatz des zweiten Konzerts als Tarantella verarbeitete. Erst 1979 tauchte ein Manuskript auf, das Unico Wilhelm Graf van Wassenaer (1692–1766) als Vater dieser Musik ausgab, der mit Rücksicht auf seinen adligen Stand und seinen diplomatischen Hauptberuf ungenannt bleiben wollte. Seither gilt Wassenaer als Komponist der sechs Concerti armonici, die mit ihrer Mitte des 18. Jahrhunderts bereits überholten Besetzung von vier Geigen, einer Bratsche und Basso continuo sowie mit einigen kontrapunktischen Archaismen einerseits konservativ angelegt sind, andererseits melodisch durchaus ins aufkommende Rokoko weisen. Da alle anderen erhaltenen Kompositionen Wassenaers qualitativ deutlich gegen dieses halbe Dutzend abfallen, möchte man weiterhin ein kleines Fragezeichen hinter seinen Namen setzen; zumindest ist nicht auszuschließen, daß ein professioneller Musiker (Ricciotti?) ihm bei der Niederschrift über die Schulter geschaut hat.

Als Referenzeinspielungen galten bisher die Aufnahmen von Roy Goodman (Hyperion) oder Ton Koopman (Erato). Im Vergleich hierzu wirkt die Interpretation von Kevin Mallon viel weicher, sanfter, weniger konturiert. Was zunächst leicht enttäuschen könnte, stellt sich nach mehrmaligem Hören als der Vorzug der Neueinspielung heraus: Mallon bauscht die Musik nicht auf, sondern spürt ihrer kammermusikalischen Intimität nach. Der Legende nach sollen diese Stücke bei adliger Hausmusik das Licht der Welt erblickt haben, und eben dieses leise Einverständnis Gleichgesinnter – Aristokraten reden einander nicht mit „von“ an – macht den Reiz dieser Aufnahme aus.

Was aber letztlich dazu führt, sie als neue Referenz zu bezeichnen, ist die Tatsache, daß sich hier nicht wie bei Goodman und Koopman Cembalo und Orgel ständig mit unpassenden Mätzchen in den Vordergrund spielen.

Dr. Matthias Hengelbrock [08.01.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wilhelm Unico v. Wassenaer
1Concerto armonico Nr. 1
2Concerto armonico Nr. 2
3Concerto armonico Nr. 3
4Concerto armonico Nr. 4 f-Moll
5Concerto armonico Nr. 5
6Concerto armonico Nr. 6

Interpreten der Einspielung

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