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CD-Besprechung

Expressionismus

signum SIG X121-00

2 CD • 2h 12min • 2000/2001

28.03.2002

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Eine höchst willkommene Sammlung von selten zu hörenden Werken aus den ersten drei Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts – einer Periode, die wie kaum eine zweite vom Pluralismus der musikalischen Ausdrucksformen gekennzeichnet war. Der Hörer unterzieht sich mit Gewinn den stilistischen Wechselbädern zwischen Max von Schillings spätromantischer Klangsprache und den der französischen „Groupe des Six“ nahestehenden Miniaturen von Eugene Goosens, nach und nach erahnend, was es in dieser Schublade der Musikgeschichte noch alles zu entdecken gibt. Und er vergißt dabei schnell, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, welchen Sinn die Anwendung des Terminus „Expressionismus“ auf die Musik hat und was damit eigentlich gemeint ist. Denn zu dieser Frage haben weder die doch etwas zufällige Werkauswahl noch der ansonsten recht informative Booklet-Text etwas Erhellendes beizutragen.

Den Expressionismus als „Bewegung“ hat es in der Musik nie gegeben, und Arnold Schönberg, im Zusammenhang mit dessen frei atonaler Phase der Begriff noch am häufigsten benutzt wird, ist in dieser Zusammenstellung überhaupt nicht vertreten. Doch all dies schmälert die Freude an dem mehr als zweistündigen aparten Potpourri keineswegs (das tut eher das – mit Ausnahme des Concerto Romano – stumpfe, wenig transparente Klangbild). Werke wie Alfredo Casellas prächtiges Orgelkonzert, seine eindringliche Elegia eroica für einen im Krieg gefallenen Soldaten oder die pointierte Suite für Violine und Orchester von Karol Rathaus sprechen für sich selbst und bedürfen nicht der Legitimation durch irgendwelche „-ismen“.

Wertvoll ist auch der Hinweis auf den Österreicher Egon Wellesz, hier mit dem frühen, Debussy-nahen Stimmungsbild Vorfrühling vertreten, und den Schweizer russischer Abstammung Wladimir Vogel mit seinen kurzweiligen Etüden für Orchester von 1930. Alle diese Komponisten sind, gemessen an ihrer Bedeutung, auf Tonträgern bei weitem unterrepräsentiert. Hier vielleicht den Anstoß für weitere Veröffentlichungen zu geben, ist das größte Verdienst dieser Edition. Das Orchester aus Frankfurt/Oder spielt unter den verschiedenen Dirigenten mit wechselnder Fortune, doch daß es Max von Schillings Sinfonischen Prolog ganz ohne Dirigenten eingespielt haben soll (wie es das Cover glauben macht), ist denn doch wohl nicht anzunehmen.

Peter T. Köster † [28.03.2002]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Alfredo Casella
1Elegia eroica op. 29
Eugene Goossens
2Suite op. 18 (aus: Kaleidoscope)
Franz Schreker
3Fantastische Ouvertüre op. 15
Karol Rathaus
4Suite op. 27 für Violine und Orchester
Max von Schillings
5Sinfonischer Prolog op. 11
Karol Rathaus
6Ouvertüre op. 22 für Großes Orchester
Wladimir Vogel
7Zwei Etüden für Orchester (Der Stadt Königsberg gewidmet)
Egon Wellesz
8Vorfrühling op. 12 für Orchester (Sinfonisches Stimmungsbild)
Alfredo Casella
9Concerto Romano op. 43 für Orgel und Orchester

Interpreten der Einspielung

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