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CD-Besprechung

Jesús Guridi: Amaya (Lyrisches Drama in drei Akten, 1920)

Marco Polo 2 CD 8.225084-85

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 01.07.01

Marco Polo 8.225084-85

2 CD • 2h 17min • 1998

Manchmal fördert der Entdeckergeist mutiger Produzenten echte Überraschungen zutage, wie diese 1920 uraufgeführte Oper, die eigentlich über alles verfügt, was ihr einen Platz im internationalen Repertoire sichern sollte - eine packende Handlung, profilierte Charaktere, atmosphärisch dichte Szenen und vor allem: eine hinreißende Musik. Daß das Werk bis heute nicht annähernd die Verbreitung gefunden hat, die es verdient, dürfte in erster Linie an der Sprache liegen, denn obwohl es von Anfang an eine spanische Version des Librettos gab, ist die Oper eindeutig in baskischer Sprache konzipiert. In diesem ungewohnten Idiom wird sie auch in der vorliegenden Einspielung gesungen, was jedoch der Prägnanz der musikalischen Aussage keinerlei Abbruch tut.

Der Baske Jesús Guridi zählt zu den wichtigsten Komponisten Spaniens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vier Jahre jünger als der Andalusier Joaquin Turina verfolgte er wie dieser das Ziel, seiner Heimatregion eine individuelle Stimme innerhalb der Kunstmusik zu verleihen, was ihm besonders mit dem hervorragend instrumentierten Orchesterwerk Diez melodias vascas gelang. Amaya ist so etwas wie eine baskische National-Oper, eine im 8. Jahrhundert angesiedelte Geschichte von Liebe und Eifersucht, Schuld und Sühne vor dem Hintergrund des Ringens um eine nationale Identität und der Auseinandersetzung zwischen überlieferter Religion und aufkommendem Christentum.

Guridis Partitur, die in ihrer lyrischen Intensität bisweilen an Puccini erinnert, ist reich durchsetzt mit baskischen Volksmelodien, die teilweise in der Art von Leitmotiven verwendet werden und der Musik einen ganz eigentümlichen Reiz verleihen. Von der magischen Atmosphäre des ersten Aktes mit den archaischen Gesängen der Priesterin Amagoya spannt sie einen Bogen über die zunehmend dramatischen Geschehnisse bis zum konfliktlösenden Epilog, alles ist knapp gehalten und wie aus einem Guß. Die Aufnahme versammelt ein engagiertes Team von Sängern (überwiegend nicht baskischer Herkunft !), die sich überzeugend mit ihren Rollen identifizieren. Besondere Höhepunkte setzt die stimmlich herausragende Mezzosopranistin Marianne Cornetti sowie der vorzügliche Chor, die traditionsreiche Chorvereinigung von Bilbao, die sich in der Zeit von 1911 bis 1916 unter Guridis Leitung zu einem der besten Chöre Spaniens entwickelte.

Peter T. Köster † [01.07.2001]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Guridi Amaya (Lyrisches Drama in drei Akten, 1920)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Rebecca Copley Sopran
Marianne Cornetti Mezzosopran
Itxaro Mentxaka Mezzosopran
César Hernández Tenor
Angel Pazos Tenor
Gorka Robles Tenor
Carlos Conde Bariton
Rosendo Flores Baß
Bilbao Choral Society Chor
Bilbao Symphony Orchestra Orchester
Theo Alcántara Dirigent
 
8.225084-85;0636943508428

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