Neuproduktion von "Zar und Zimmermann" an der Deutschen Oper Berlin
Dirigent Antonello Manacorda und der Regisseur Martin G. Berger holen das Werk zurück auf die Bühne
Mit der Premiere von Albert Lortzings Zar und Zimmermann am 20. Juni um 18 Uhr bringt die Deutsche Oper Berlin ein lange nicht auf Berliner Bühnen zu sehendes Erfolgsstück zurück auf die Opernbühne. Noch vor 25 Jahren waren die Opern Albert Lortzings das Rückgrat der deutschen Theaterspielpläne, dann verschwanden sie innerhalb kurzer Zeit sang- und klanglos fast vollkommen aus dem Repertoire. Zu Unrecht – finden der Dirigent Antonello Manacorda und der Regisseur Martin G. Berger, die jetzt Lortzings größten Erfolg Zar und Zimmermann zurück auf die Opernbühne holen. Als eine brillante Mischung aus Ideenkomödie mit ernstem Hintergrund und Vorläufer von Operette und Musical verortet Berger die 1837 uraufgeführte Spieloper um den Zaren Peter I., der sich 1698 inkognito auf einer holländischen Werft Grundkenntnisse als Schiffszimmermann aneignete. Denn bei Lortzing wird aus der Verwechslungskomödie ein Stück, das mit leichter Hand die Schwächen und Ideale einer Gesellschaft offenbart, die sich seither in vielen Punkten gar nicht so sehr verändert hat.
Gegenüberstellung zweier Gesellschaftsmodelle
Der Deserteur Peter Iwanow, der seine Entdeckung fürchtet und eigentlich nur in Frieden gelassen werden will, die forsche Bürgermeistersnichte Marie, die eine gleichberechtigte Beziehung will und das auch durchsetzt, sowie ihr Onkel van Bett, der auf den deutschen Theaterbühnen zum Inbegriff des ebenso überforderten wie autoritären Amtsträgers wurde, überzeugen noch immer in ihrer Glaubwürdigkeit – ebenso wie der Zar, der in dieser Welt ein Fremdkörper bleibt.
Berger geht es dabei nicht nur um die Komik, die im Lauf des Stücks immer wieder aus den Verwechslungssituationen und Kontrasten von hoher Politik und Kleinstadtleben entsteht, sondern auch um die Gegenüberstellung zweier Gesellschaftsmodelle in dieser Oper: auf der einen Seite der Westen mit seiner Modernität und seinem Gewinnstreben, auf der anderen Seite das hoffnungslos veraltete, autoritäre Volkszarentum Tschirikistan, das hier das Russland des Originaltexts ersetzt. Die Balance von Wortwitz und Ernst, die Zar und Zimmermann prägt, kommt auch in den neuen Sprechtexten zum Ausdruck, in denen Berger seine Erfahrung als Regisseur und Übersetzer von Musicals einbringt – nicht, um Lortzing zu verbessern, sondern um das Tempo der Komödie unserem heutigen Zeitgefühl anzupassen. Wiederzuentdecken ist ein Stück, das mit seinem Wortwitz, seiner musikalischen, an der italienischen Buffo-Oper geschulten Komik und seinen eingängigen Melodien zu den gelungensten deutschen Komödien überhaupt gehört.
Neue Sprechtexte von Martin G. Berger
Das spielfreudige Ensemble der Deutschen Oper Berlin um Artur Garbas als Zar, Kieran Carrel und Padraic Rowan kann in Zar und Zimmermann zusammen mit Gästen wie Nadja Mchantaf, Patrick Zielke und Philipp Kapeller sein komisches Talent zeigen. Als langjähriger Chefdirigent der Kammerakademie Potsdam bringt Antonello Manacorda das Wissen um historische Aufführungspraxis ebenso ein wie Erfahrung mit dem Timing der komischen Opern Rossinis. Im Sommer 2025 gab er mit einer Neuproduktion von Donizettis Maria Stuarda sein Debüt bei den Salzburger Festspielen und ist an vielen großen Opernhäusern wie Paris, London, New York und Berlin geschätzter Gast.
Albert Lortzing: Zar und Zimmermann – Komische Oper in drei Akten
Libretto von Albert Lortzing
in einer neuen Sprechtextfassung von Martin G. Berger
Premiere: 20. Juni 2026
Weitere Vorstellungen: 25., 27. Juni, 2., 9. und 11. Juli 2026
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