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Besprechung CDBetween Fire and Silence

Between Fire and Silence

David Munk-Nielsen Piano

OUR Recordings 8.226938

1 CD • 66min • 2025

25.06.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Between Fire and Silence, zwischen Leidenschaft, unbändigem Ausdruckswillen und poetischer Introspektion – das sind die Kontraste, die Spannungsfelder, zwischen denen sich die Klaviermusik der Romantik frei nach den Worten des jungen dänischen Pianisten David Munk-Nielsen, Jg. 1998, bewegt. Und so bilden mit Schumanns Kinderszenen op. 15 und seiner Fantasie C-Dur op. 17 zwei absolute Kernstücke des romantischen Klavierrepertoires den Rahmen seines Debütalbums bei OUR Recordings. Ungewöhnlich ist dabei die Kopplung mit vier kurzen Klavierstücken von Jean Sibelius, wesentlich seltener zu hörende Musik also, zugleich ein kleiner Wink in Richtung der Sibelius-Akademie in Helsinki, an der Munk-Nielsen (unter anderem) studiert hat.

Ein grundsätzlich entschieden „schumannesker“ Tonfall

Bereits in Von fremden Ländern und Menschen zu Beginn des Albums zeigen sich wesentliche Charakteristika von Munk-Nielsens Zugang zu Schumanns Klaviermusik, zuvorderst ein ausgeprägt „schumannesker“ Tonfall: Munk-Nielsen lässt die Musik sanft „erzählen“, mit eminentem Sinn für die ihr innewohnende Fantasie, Imaginationskraft, und ihre Momente des poetischen Innehaltens. Dass er diese Musik tendenziell eher besonnen versteht, zeigt sich nicht zuletzt in der Wichtigen Begebenheit oder dem Ritter vom Steckenpferd, in denen er ein gewisses Moment der Zurückhaltung nicht völlig preisgibt; poetisch-subtil Der Dichter spricht am Ende. Entsprechend versponnen, ja dunkel auch der Legendenton im Kopfsatz der Fantasie op. 17, den Munk-Nielsen ähnlich wie etwa Swjatoslaw Richter im Tempo relativ stark drosselt, hier dann in der Tat ganz explizit im Sinne der titelgebenden Kontraste zwischen der großen, feurigen Geste des Hauptthemas und der „Stille“ der Legenden-Episode.

Freiheiten in der Agogik

Prinzipiell geraten Munk-Nielsens Interpretationen angenehm unexzentrisch, orientiert stets am Wesen der Musik. Der Bereich, in dem er sich die vielleicht größten Freiheiten nimmt, ist die Agogik – auch hier sicher nicht im Übermaß, aber gleich in den ersten beiden Stücken leitet Munk-Nielsen die Wiederkehr des Beginns (also T. 14 bzw. T. 12) mit ausgiebig ausgekosteter Fermate bzw. einigem Ritardando ein; andere Beispiele wären die Schneller-Einschübe in Fürchtenmachen oder das Nach und nach schneller ganz am Ende der Fantasie op. 17. Hier besteht mitunter die Gefahr einer gewissen Kleinteiligkeit; eine Frage von Nuancen, aber für meine Begriffe ist das Tempo, der musikalische Fluss da und dort ein Quäntchen (lediglich) zu instabil. Auf der anderen Seite gibt es etliches, das uneingeschränkt positiv hervorzuheben ist. Gerade der bereits erwähnte Schlusssatz der Fantasie zeigt Munk-Nielsens Gespür für feine klangliche Abstufungen, wie er auch den eigentümlich introvertierten, stillen Charakter von Fast zu ernst in den Kinderszenen vorzüglich trifft. Naturgemäß robuster der 2. Satz der Fantasie, der gleichzeitig von Munk-Nielsens Fähigkeit zur Disposition von Spannung, zum Denken in großen Bögen zeugt, wenn die Musik erst am Ende wirklich ihren uneingeschränkten Kulminationspunkt erreicht.

Ein starkes Plädoyer für Sibelius’ Klaviermusik

Hinterlassen also bereits die Schumann-Einspielungen einen ungemein ansprechenden Eindruck, so sind es die Stücke von Sibelius, die der CD noch einmal eine spezielle Note verleihen. Eigentlich nur eine Art Intermezzo von nicht einmal einer Viertelstunde, bereichern diese vier Stücke zunächst einmal das Bild von Munk-Nielsens Spiel um einige wichtige Facetten. Munk-Nielsen agiert hier ein gutes Stück zupackender, straffer als in den beiden Werken Schumanns, begreift Sibelius’ Musik als durchaus dramatisch, fast orchestral gedacht, mit einigem Gewicht. So könnte man das Impromptu op. 24 Nr. 1 sehr gut als kurze orchestrale Szene, wie Sibelius sie ja neben seinen Sinfonien auch in nicht geringer Zahl komponiert hat, verstehen, ebenso wie Munk-Nielsen in der Romanze op. 24 Nr. 9 die Emphase, die kraftvolle Klimax, auf die die Musik zusteuert, sehr überzeugend darzustellen weiß. Atmosphärisch dicht, mit einiger Freiheit und angemessen großer Geste gespielt auch die Harfenimitationen im Impromptu op. 5 Nr. 5, fast wie eine Art Bardengesang. So legen diese vier Stücke nicht nur Zeugnis vom expressiven Reichtum und der interpretatorischen Souveränität Munk-Nielsens ab, sondern erscheinen zugleich als Plädoyer für die oft unterschätzte Klaviermusik von Jean Sibelius – denn von vermeintlichen Salonpiècen sind wir hier weit entfernt. Klanglich wie stets bei OUR Recordings vorzüglich geraten, ist dies eine ungemein vielversprechende Debüt-CD, die gespannt macht auf den weiteren Weg des jungen Dänen.

Holger Sambale [25.06.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Robert Schumann
1Von fremden Ländern und Menschen op. 15 Nr. 1 (Kinderszenen op. 15) 00:01:43
2Kuriose Geschichte op. 15 Nr. 2 (Kinderszenen op. 15) 00:01:09
3Hasche-Mann op. 15 Nr. 3 (Kinderszenen op.15) 00:00:34
4Bittendes Kind op. 15 Nr. 4 (Kinderszenen op. 15) 00:01:01
5Glückes genug op. 15 Nr. 5 (Kinderszenen op. 15) 00:00:41
6Wichtige Begebenheit op. 15 Nr. 6 (Kinderszenen op. 15) 00:00:58
7Träumerei op. 15 Nr. 7 (Kinderszenen op. 15) 00:02:54
8Am Kamin op. 15 Nr. 8 (Kinderszenen op. 15) 00:01:01
9Ritter vom Steckenpferd op. 15 Nr. 9 (Kinderszenen op. 15) 00:00:41
10Fast zu ernst op. 15 Nr. 10 (Kinderszenen op. 15) 00:01:46
11Fürchtenmachen op. 15 Nr. 11 (Kinderszenen op. 15) 00:02:01
12Kind im Einschlummern op. 15 Nr. 12 (Kinderszenen op. 15) 00:02:10
13Der Dichter spricht op. 15 Nr. 13 (Kinderszenen op. 15) 00:02:24
Jean Sibelius
14Impromptu op. 24 Nr. 1 00:03:46
15Nocturno op. 24 Nr. 8 00:03:25
16Romance op. 24 Nr. 9 00:03:27
17Impromptu h-Moll op. 5 Nr. 5 (1893) 00:03:26
Robert Schumann
18Fantasie C-Dur op. 17 00:32:24

Interpreten der Einspielung

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