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Muzio Clementi

ital. Komponist

Biographie

Der Name Muzio Clementi war – ähnlich wie Carl Czerny – für Generationen von Klavierschülern eher mit dem Schrecken trockenen Etüdenübens verbunden als mit Freude am Klavierspielen. Sein Lehrwerk Gradus ad Parnassum op. 4 (1817-1823) mit seinen Sonatinen, Fugen, Canzonetten, Kanons, Variationen und Tänzen war rasch nach der Herausgabe lange Zeit als Unterrichtswerk bei Klavierlehrern sehr geschätzt – meist allerdings weniger geliebt von den Schülern. Die Studien zur Steigerung spieltechnischer Fertigkeiten wurden nicht zuletzt auch von Größen wie Debussy (Doctor gradus ad parnassum aus Children's Corner) und Satie etwas spöttisch aufs Korn genommen (Sonatine bureaucratique). Trotzdem ist dessen musikgeschichtliche Bedeutung kaum hoch genug einzuschätzen. Muzio Clementi wurde am 23. Januar 1752 in Rom geboren. Seine musikalische Begabung zeigte sich schon frühzeitig. Bereits im Knabenalter spielte er die Orgel in seiner Heimatkirche und komponierte im Alter von zwölf Jahren eine Messe, die auch zur Aufführung gelangte. Durch sein Orgelspiel wurde ein durchreisender englischer Adeliger auf Muzio aufmerksam und verpflichtete den 13jährigen Jungen für sieben Jahre als Organisten auf seinem Landsitz in Dorset. Mit der dortigen Unterstützung von Domenico Scarlatti entwickelte und kultivierte Clementi in dieser Zeit seine stupenden pianistischen Fähigkeiten, die ihn später so berühmt machten. Nach Ableistung seiner Dienstzeit in Dorset begab sich Clementi nach London, wo er 1772 Cembalist an der italienischen Oper am Kings's Theatre wurde. Bis zur Publikation seiner ersten Sonatensammlung op. 2 (1779) trat er in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung, dann aber erregte er mit Konzertprogrammen, die durch ihre Brillanz und Virtuosität die Zuhörer zum Staunen brachten, immer mehr Aufsehen. Vom Erfolg ermutigt, wagte Clementi im Sommer 1780 auch den Sprung über den Ärmelkanal und wurde vom Pariser Publikum begeistert gefeiert. 1781 folgte er der Einladung Kaiser Joseph II. nach Wien, wo es am 24. Dezember zu einem legendären musikalischen Wettstreit mit Wolfgang Amadeus Mozart kam. Der Wettstreit umfasste den Vortrag eigener Kompositionen, Vom-Blatt-Spiel und Improvisation. Während sich Clementi von Mozarts Esprit und Grazie sehr angetan zeigte, war bei Mozart das Gegenteil der Fall. An seinen Vater schrieb er, dass sein Gegner „nicht einen Kreuzer Geschmack oder Gefühl habe und ein reiner Mecchanicus sei“. Später (1783) nannte er ihn sogar einen „Scharlatan wie alle Italiener“. Dieses vernichtende Urteil Mozarts begünstigte sicherlich die bis heute eher noch etwas abschätzige Meinung als seelenloser Etüdenschreiber. Beethoven hingegen schätzte Clementi sehr und schrieb: „Wer Clementi gründlich studiert, hat zugleich Mozart und andere Autoren mitgelernt“. Zurück in London arbeitete Clementi als Virtuose, Lehrer und Komponist. Er wurde zu einem gefragten Klavierlehrer, der sich seinen Unterricht teuer bezahlen lassen konnte. 1802 ging er erneut für acht Jahre auf Reisen durch Italien, durch Mitteleuropa und nach Russland. Nach und nach verlegte Clementi seinen kompositorischen Schwerpunkt auf pädagogische Werke. Seine pädagogischen Erkenntnisse und Anliegen fasste er schließlich in seinem dreibändigen „Gradus ad Parnassum“ op. 4 zusammen. Die technischen Entwicklungen des Hammerklaviers mit seinem erweiterten Tonumfang und der dynamischen Anschlagsmechanik reizten Clementi, sich im Klavierbau zu engagieren. Außerdem betätigte sich Clementi auch als Verleger und landete als solcher seinen größten Coup, als er sich die Rechte an Beethovens neuen Kompositionen sichern konnte. Im hohen Alter zog sich Clementi nach Evesham in Worcestershire zurück, wo er am 10. März 1832 starb. Als Zeichen der hohen Anerkennung und Wertschätzung wurde Muzio Clementi in Westminster Abbey beigesetzt. Er hinterließ mehr als 100 Klaviersonaten, darunter ungefähr 40 mit Violine, Flöte oder Cello, außerdem Präludien und Übungen in allen Tonarten, Oktavenübungen für Piano sowie sein berühmtes Lehrwerk Gradus ad Parnassum. Vier Sinfonien, die heute nur noch teilweise erhalten sind, waren zu seinen Lebzeiten zwar geschätzt, konnten sich aber neben den Werken Joseph Haydns, der zur damaligen Zeit mit seinen Sinfonien in London Triumphe feierte, nicht behaupten.

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