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ARD-Musikwettbewerb

Beeindruckende Leistungen

Finale Horn beim 70. ARD-Musikwettbewerb

Der diesjährige ARD-Musikwettbewerb ist für die Organisatoren und die Jury wegen der Corona-Pandemie eine unglaubliche Herausforderung: Für das Fach Horn hatten sich 149 Kandidaten beworben, und nach der Vorauswahl musste auch die 1. Runde der Kandidaten noch online anhand von Videos durchgeführt werden, was bereits im Juni stattfand. So konnten schließlich 12 Hornistinnen und Hornisten für den zweiten Durchgang live nach München eingeladen werden. Und erst die neuen bayerischen Regelungen seit Anfang September ermöglichen einen halbwegs normalen Ablauf, mit großem Publikum wenigstens im Semifinale (wir berichteten) und Finale. Hier im Herkulessaal sind schließlich noch drei Künstler übrig, die im gestrigen Finale alle das großartige 2. Hornkonzert von Richard Strauss spielen und auf Preise hoffen. Begleitet werden sie dabei diesmal vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Radoslaw Szulc – in großer Besetzung und ohne Corona-Abstände. Leider findet noch nicht die sonst übliche Anzahl interessierten Publikums in den Saal.

Jun Zeng

Der erst 22-jährige Chinese, der nach Meinung des Rezensenten das mit Abstand beste Semifinale gespielt hatte, ist diesmal ein wenig nervös und leistet sich tatsächlich mal einen kleinen Kiekser. Die Wahl seines Instruments, das seinen sehr weichen und modulationsfähigen Ton noch hervorhebt, soll sich für die akustischen Bedingungen als nachteilhaft erweisen. Die schnellen Sechzehntelpassagen im Kopfsatz geht er beherzt an, dabei nicht völlig durchsichtig. Im Piano klingt er wieder absolut traumhaft, das Andante gelingt ihm von den drei Finalisten am besten. Im Finale spielt er kultiviert, aber nicht keck genug. Auch fehlen hier die letzte rhythmische Prägnanz und Präsenz ganz allgemein, obwohl die Leistung schon auf Weltklasse-Niveau anzusiedeln ist.

Pascal Deuber

Wie sein Schweizer Kollege verwendet Pascal Deuber ein Horn, das von sich aus obertonreicher und tragfähiger klingt als das von Jun Zeng. Nie hat er Probleme, über das Orchester zu kommen, ist hochkonzentriert und trifft den Strauss’schen Tonfall auf den Punkt. Seine solistische Präsenz auf der Bühne ist an diesem Abend atemberaubend, sein Vortrag zwar nicht immer differenzierter, aber musikalisch dichter als bei den Konkurrenten. Die rhythmische Präzision und Klarheit im Finale kann nur erstaunen, obwohl er ausgerechnet die Stelle gegen Schluss, wo das Hauptthema mit den beiden Hornisten im Orchester dreistimmig erscheint, leicht verwackelt. Man spürt die enorme Erfahrung des Lokalmatadors, der bereits Solohornist an der Bayerischen Staatsoper ist, und das Publikum ist begeistert.

Ivo Dudler

Einen noch größeren Ton hat Ivo Dudler, die 16-tel im ersten Satz sind stellenweise verhuscht, eine hohe Stelle packt er nicht hundertprozentig, das Ende des Andantes gerät wackelig. Dynamisch bleibt Dudler ein wenig zu dick, traut sich kaum, auch mal richtig leise zu spielen. Dass Szulc das Finale noch ein wenig flotter beginnt, ist sicher auf den Wunsch des Solisten zurückzuführen (wie schon bei Mozart im Semifinale), hat aber einige Unsauberkeiten zur Folge – und das offensichtlich überzogene Tempo wird zum Glück später wieder zurückgenommen. Trotzdem ist auch Dudlers Strauss eine musikalisch reife Darbietung.

Drei Preise

Tatsächlich vergibt die hochkarätige, 7-köpfige Jury diesmal drei Preise – beim ARD-Musikwettbewerb keineswegs eine Selbstverständlichkeit: Der erste Preis und der Publikumspreis gehen an Pascal Deuber, dessen Souveränität über alle Runden konstant war. Einen zweiten Preis und – völlig verdient – den Preis für die beste Interpretation des Auftragswerks erhält Yun Zeng, der musikalisch jetzt schon ein Wahnsinns-Potential hat. Ivo Dudler schließlich darf sich über einen dritten Preis freuen – ein bemerkenswerter Horn-Wettbewerb.

Martin Blaumeiser (11.09.2021)

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