Forderndes Finale
Finale Schlagzeug beim 75. Internationalen Musikwettbewerb der ARD
Beide Finalisten mussten im Herkulessaal das Konzert für Schlagzeug und Orchester von Friedrich Cerha mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Bar Avni präsentieren. Das 2008 vollendete Werk ist klassisch in drei Sätze gegliedert, für die der Solist auch entsprechende Etappen auf dem Podium zurücklegen muss. Die Ecksätze werden den Worten des Komponisten zufolge von „eruptiven Trommelereignissen“ gerahmt. Der zweite Satz mutet dagegen mit starkem Einsatz von Vibraphon, Glocken, Gongs, Crotales und Klangschalen beinahe impressionistisch an, wofür wiederum Cerha selbst Assoziationen wie die langsamen Bewegungen von Himmelskörpern und einen nächtlichen Wald ins Spiel gebracht hat. Äußerst virtuos ist zudem, was dem Solisten zu Beginn des letzten Satzes am Xylophon abverlangt wird.
Zwei unterschiedliche Ansätze
Sowohl Gabriel Michaud als auch Yuan Xia hatten schon vor dem Wettbewerb Auftritte als Solist mit großen Konzertorchestern – der 2003 geborene Michaud beispielweise mit dem Orchestre de la Suisse Romande und Xia (Jahrgang 2001) mit dem Concertgebouw-Orchester Amsterdam. Insofern war es nicht überraschend, dass sie der Situation am Ende von zehn fordernden Wettbewerbstagen vollauf gewachsen waren. Verblüffend war aber, dass beide Cerhas Konzert nicht nur meisterten, sondern auch ganz individuelle Interpretationen vorstellten. Das regelrechte Klanggewitter zu Beginn und am Ende wurde von Michaud, der zuerst auftrat, wie auf einer sorgfältig geplanten Flucht gespielt. Die Läufe waren bei ihm tatsächlich durchgängige Bewegungen und die im Verhältnis zum Orchester versetzten und sich immer wieder verschiebenden Einsätze bei aller Präzision ständige Überraschungseffekte im Stil eines Hakenschlagens.
Demgegenüber betonte und akzentuierte Yuan Xia überdeutlich und arbeitete auch einzelne rhythmischen Zellen heraus, aus denen größere Blöcke der Komposition zusammengesetzt sind. Beides war auf seine Art vollkommen einleuchtend, und unter Bar Avnis aufmerksamer Leitung ging das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks auch jeweils hervorragend auf die unterschiedlichen Ansätze ein. Im 2. Satz lagen sie näher beieinander, auch wenn Michaud gerade in leisen Passagen mit besonderer Selbstverständlichkeit zu musizieren scheint. Dafür nutzte Xia beim scherzohaften Beginn des letzten Satzes nachdrücklich die Möglichkeit zum Auftrumpfen, wie auch bei den deutlichen Echostellen mit dem Xylophon des Orchesters. Die Rückkehr an die Trommeln des Beginns und der rasante Abschluss im Rückwärts- bzw. Krebsgang gelang wiederum sowohl Michaud als auch Xia beeindruckend und gefolgt von warmem Beifall des Publikums, des Orchesters und der Dirigentin.
Die Zugaben und die Preise
An der Marimba spielten beide Finalisten jeweils noch ein Barockstück. Gabriel Michaud zeigte in Johann Sebastian Bachs Sarabande aus der e-Moll-Suite für Laute Nr. 1 BWV 996 noch einmal, mit welcher Ruhe er zu phrasieren und Töne dabei auch zu dämpfen versteht. Yuan Xia wählte die Allemande aus Rameaus Nouvelles Suites de Pièces de Clavecin, um souveräne Verspieltheit bis in kleine Verzierungen hinein aufblitzen zu lassen.
Am Ende wurde Gabriel Michaud von der Jury der 1. Preis verliehen, während für Yuan Xia zum 2. Preis der Publikumspreis und der Brüder-Busch-Preis hinzukamen und Halbfinalistin Mariia Shmeleva sich noch über den Preis für die beste Interpretation der Auftragskomposition Siebenundzwanzig von Johannes X. Schachtner freuen konnte.
Dr. Sebastian Stauss (14.09.2026)

