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Ondine ODE 1140-2

Bizarre Bazaar

Yorck Kronenberg • Kari Kriikku • Benjamin Schmid • Tapiola Sinfonietta u.a.

Klassik-heute-Empfehlung1 CD • 56 Min. • 2008

Details (21.09.2009)

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ODE 1140-2

Die geografische Nähe Finnlands zu Osteuropa findet ihre Entsprechung im fließenden Übergang der Musikkulturen. Eine Affinität zu den Musiken des Ostens ist in vielen Facetten spürbar. Das gilt auch für so manche Klassik-Musiker, die zwischendurch mal mutige Blicke über den Tellerrand riskieren. Der Klarinettist Kari Kriikku hat mit seiner jüngsten CD-Produktion nicht nur seine Hörerschaft, sondern auch eines der landesbesten Kammerorchester mit auf Weltreise genommen. „Bizarre Bazar“ heißt das Motto, und es steht für die bunte Vielfalt musikalischer Traditionen.

Egal in welchen Gefilden er strandet, überall weiß dieser Virtuose aus dem hohen Norden mit seiner Klarinette in musikantischer Freude aufzuspielen, auf Tanzfesten in Ungarn und bei rumänischen Zigeunern, später in Bordells von Buenos Aires. Schließlich wagt man den Sprung in die klassische arabische Tradition, bevor Kari Kriikkus Klarinettenstimme zur Fado-Sängerin mutiert. Die Wandelbarkeit, mit der Kriikku das Eintauchen in verschiedene Genres gelingt, ist dabei alles andere als selbstverständlich. Mal phrasiert er seinen Ton in wuchtiger Breite, später gleiten seine Phrasen in betörenden Glissandi, wenn er sich arabische Spielauffassungen scheinbar völlig mühelos einverleibt.

Dass Kriiku und die Tapiola Sinfonietta zum Teil rechte bekannte Stücke heranziehen, fordert zum Vergleich mit anderen Koryphäen seiner Zunft heraus. Seine Interpretation von Giora Feidmans Deine Söhne seien gesegnet wirkt etwas zu maßvoll zurückgenommen, wo Feidmann mit seinem zuweilen bewusst ungeschliffenen „Sound“ deutlich mehr Intensität erzeugt. Aber dem stehen etliche Momente entgegen, indem Kriikkus Spiel viel eigene Identität, ja phasenweise auch mitreißende Größe verströmt. Mal ist es ein Glissando, wie es auch Benny Goodman hingelegt hätte, dann wieder strahlen die Melodienbögen des Finnen vor intimer Kantabilität, vor allem, als er zwei Piazzolla-Tangos sehr speziell entschleunigt und dadurch lyrisch verdichtet. Solch große Stimmungsbilder setzen sich fort, wenn schon bald darauf in arabischen Gefilden angelandet wird. Die Streicher der von Jan Söderblom geleiteten Tapiola Sinfonietta dringen frappierend stilsicher in die hohe Kunst orientalischen Unisono-Spiels ein, so dass im Stück Dhikrayat von Muhammed al-Qasabgi gar die Magie von Originalaufnahmen mit der großen Oum Kalthoum wieder auflebt. Das verdient höchstes Lob für ein Ensemble, das in seinem Alltagsgeschäft auf Mozart-Interpretationen abonniert ist – und seine bestechende Qualifikation nun mutig in neue Dienste zu stellen weiß!

Vielleicht wird ja mal eine Produktion folgen, die dann womöglich nur eine einzige der hier gestreiften Musikkulturen dezidiert aufgreift. Das beugte einer gewissen Beliebigkeit vor, die aufkommt, wenn – wie hier – in derart fliegenden Wechseln die Musikkulturen gestreift werden.

Aber das zeichnet nun auch einen bunten Bazar aus.

Stefan Pieper (21.09.2009)

Künstlerische Qualität:

10

Bewertungsskala: 1-10

Klangqualität:

9

Gesamteindruck:

9

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