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CD-Besprechung

Bohuslav Martinů: Griechische Passion (1959)

Koch-Schwann 2 CD 3-6590-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 6

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 01.10.00

Koch-Schwann 3-6590-2

2 CD • 2h 11min • 1999

1957 hatte Bohuslav Martinu die Partitur seiner "griechischen" Oper vollendet, die Uraufführung war für die Covent Garden Opera London in Aussicht gestellt. Es war vor allem der Dirigent Rafael Kubelik, der sich energisch für die Annahme des Stücks einsetzte. Doch das Vorhaben scheiterte am Einspruch eines eigens für diesen Anlaß zusammengestellten Expertengremiums. Martinu hat daraufhin seine Oper zurückgezogen und ihr in zwei Arbeitsjahren eine vollständige Neugestalt verliehen. Diese Zweitvertonung, die sich wesentlich von der Urfassung unterscheidet, kam 1961 in Zürich zur erfolgreichen Uraufführung.

Es wäre nun naheliegend, die Londoner Experten als Ignoranten zu bezeichnen, doch so einfach liegen die Dinge nicht. Martinus Griechische Passion ist – zumindest in ihrer englischen Version – mit zahlreichen Problemen behaftet, die nicht zuletzt im Libretto liegen, das zu raunendem Symbolismus, mitunter auch zu Schwülstigkeit neigt. Martinu hat den Operntext selbst verfaßt, als Vorlage diente ihm die Geschichte vom wieder gekreuzigten Christus, eine Erzählung des griechischen Dichters Nikos Kasantzakis aus der Zeit der Unterdrückung des griechischen Volkes durch die Türken. Dazu hat Martinu eine fast entrückt wirkende, psalmodierende Musik geschrieben, die auf weite Strecken monoton wirkt und das ganze Passionsstück in die Sphäre unbegreiflicher Ferne versetzt. Andererseits enthält das Werk auch so viel Starkes, Eigenartiges und Aufregendes, daß sich immer wieder gewaltige Höhepunkte ereignen. Es gibt Gipfel, Täler und Ödnisse in dieser Oper. Die Prägnanz und Kompaktheit, wie sie Martinu in seinen Marienlegenden oder in Julietta erreicht hat, kommt in seinem letzten Opernwerk nicht zustande.

Es war eine bedeutende Leistung der Bregenzer Festspiele, im Jahr 1999 die kaum bekannte Fassung der Griechischen Passion in das Sommerprogramm aufzunehmen. Die Produktion (Inszenierung David Pountney) wurde einhellig gelobt und die gesamte Aufführung als große künstlerische Tat gepriesen. Dieser Eindruck teilt sich auch den Plattenhörern mit, denn die musikalische Wiedergabe unter Ulf Schirmers Leitung stellt eine bewundernswerte Kumulation der massenhaft mitwirkenden künstlerischen Kräfte dar, bei der es nur auf den Totaleffekt, nicht aber auf Einzelleistungen ankommt.

Der Operntext ist englisch und deutsch im Beiheft enthalten.

Clemens Höslinger [01.10.2000]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 B. Martinů Griechische Passion (1959)
 
3-6590-2;0099923659020

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