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CD-Besprechung

The People's Passion

Die Geschichte der Passionswoche in Wort und Bild

The People’s Passion

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 4

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 3

Besprechung: 01.02.01

NVC Arts 8573-81294-2

1 DVD • 50min • 1999

Es wäre interessant, von Jessye Norman und John Scott, der hier nicht als der überragende Organist, der er ist, in Erscheinung tritt, sondern als Dirigent, zu erfahren, was sie sich bei dieser Produktion gedacht haben. Erzeugt wird auf diesem Video Sentimentalität - eben diese paßt aber nicht zur Passionsgeschichte Christi . Stellt solch ein Video musikalisches Unterhaltungstheater für den amerikanischen "tired businessman" dar, der ein wenig entspannen möchte? Oder ist die Leidensgeschichte des Heilands fünfzigminütiges Entertainment? Zu Beginn bilden Plastikpalmen und Felsimitate aus Pappe oder Sperrholz die Szenerie; später werden Kakteen, dürre Sträucher und dürftigstes Grün zugeschaltet; Jessye Norman erscheint dann ganz in Blau gewandet. Übernatürlich groß kommt das Gesicht der ohne Fehl Singenden von Anfang an ins Bild, gefolgt von einem barbrüstigen Tänzer, der mit offenem Hemd aus transparentem Linnen Girlanden zu drehen hat. Die Choreographie allerdings überzeugt kaum.

Das Ganze nennt sich A Musical for Easter, comédie musicale, un espectáculo para Pascua de Resurrección. Mir scheinen dadurch Passion und Ostern ebenso wie die vorgebliche Gattung Musical verflacht und verdünnt. Das moderne Musical war Darstellern auf den Leib geschrieben, die gleichermaßen als Schauspieler, Sänger und Tänzer überzeugen können. In dieser Soft-Produktion dagegen ist die Arbeitsteilung perfekt, das schauspielerische Element hat weder Glanz noch Kraft, und das, was stilisiert erscheint, ist unglaubwürdig. Die Musik ist schmalzig. Weinerlich wimmernd wird Jesus in der neunten Minute in Szene gesetzt, sehr pennerhaft zieht ein Eselknecht seine unglücklich-selbstgefälligen Grimassen; gegen Ende zucken computergesteuerte Gewitterblitze auf, und zum Schluß tragen Kinder würfelförmige Kerzen und formieren sich zu einem Kreuz, während der Chor zwanzig Mal Alleluia intoniert, unterstützt von schmetterndem Blech.

Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr als daß solch ein "Screen Entertainment", wie es sich selbst auf der Verpackung bezeichnet, dem Begriff "Passion" gerecht wird. Dieses Videoprodukt befindet sich weder auf der Seite überzeugender Religionsvermittlung noch auf der Seite eines diskutablen modernen Gegenentwurfs. Weitaus glücklicher, in Szenerie und Besetzung überzeugender gelungen ist die filmische Umsetzung des Passionsstoffes in einer Co-Produktion von WDR und SWF aus dem Jahr 1992: "Es wäre gut, daß ein Mensch würde umbracht für das Volk". Buch und Regie: Hugo Niebeling. Und Musik von Bach (hier die Johannespassion) wird dem Sujet in würdigerer Weise gerecht; der Dom zu Speyer sowie das Kloster Maulbronn bilden ein angemessenes Ambiente. Zu beziehen ist das VHS-Video der Produktion Hugo Niebelings über ZMD, Wurmstraße 13, 82166 Gräfelfing, unter der Bestellnr. 300 199.

Matthias Thiemel [01.02.2001]

Komponisten und Werke der Einspielung

 
8573-81294-2;0685738129423

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