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CD-Besprechung

Sergej Prokofjew: Semyon Kotko (1939)

Philips 2 CD 464 605-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 6

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 01.10.00

Philips 464 605-2

2 CD • 2h 17min • 1999

Sozialistischer Realismus, Parteikunst und ähnliche Schlagworte drängen sich auf, wenn man sich mit Sergej Prokofieffs Polit-Oper Semjon Kotko befaßt. In diesem Fall läßt sich sagen: stimmt – und stimmt auch wieder nicht. Das 1939 entstandene Bühnenwerk beugt sich zwar bis zu einem gewissen Grad dem sowjetischen Kunstdiktat, ein Genie wie Prokofieff war jedoch imstande, Auswege aus den Fesseln der Doktrin zu finden und trotz aller Auflagen und Einschränkungen großartige Bühnenmusik zu schreiben. Erstaunlich erscheint, daß sich der literarisch sonst so anspruchsvolle Komponist von einem so platten Sujet – Valentin Katajevs Erzählung Ich bin ein Sohn des werktätigen Volkes ist tatsächlich Parteikitsch der übelsten Sorte – angezogen fühlte. Andererseits muß in Betracht gezogen werden, daß die Sowjetkünstler, um der latenten Todesbedrohung zu entgehen, zu den verwegensten Schleichwegen Zuflucht nehmen mußten.

Semjon Kotko ist somit ein abenteuerliches Mischprodukt aus Lebensangst, Kompromißbereitschaft, Vaterlandsliebe, aus gutem Willen und scharfer Satire geworden. Alle diese vielen divergierenden Strahlungen spiegeln sich in dem fünfaktigen Werk wider, das trotz aller berechtigten Vorbehalte einen faszinierenden Eindruck hinterläßt. Es gibt darin musikalisch-dramatische Situationen, die regelrecht zum Lachen reizen. Anscheinend wurde dieser mehr oder minder versteckt auftauchende parodistische Unterton auch von den sowjetischen Zensoren bemerkt, die auf Semjon Kotko alles andere als freundlich reagierten. Bald nach der Premiere (Moskau 1940) wurde das Stück vom Spielplan abgesetzt und zu Lebzeiten des Komponisten nicht mehr aufgeführt.

Valery Gergiev hat sich im Zuge seiner Neubewältigung russischer Opernkunst nun auch diesem Werk zugewandt. Im November 1999 brachte er Semjon Kotko mit seinem Ensemble im Wiener Konzerthaus zur konzertanten Aufführung. Der Live-Mitschnitt macht das Plattenpublikum mit einer echten Trouvaille bekannt. Prokofieffs Werk, das in zeitlicher Nähe zu seinem Ballett Romeo und Julia und zur Filmmusik für Sergej Eisensteins Alexander Newski steht, reicht zwar an diese Meisterwerke nicht heran, steckt aber doch voll von geistreichen Ideen. Interessant, daß dem Komponisten die Negativ-Figur, der hinterhältige Kapitalist Tkachenko, erheblich vitaler gelungen ist als der geradlinige Tenorheld Semjon. Gennady Bezzubenkov weiht sich der Bösewicht-Rolle mit spürbarem Genuß, Viktor Lutsiuk als Titelfigur bietet kommunistische Korrektheit mit hohen Tönen. Das St.-Petersburger Sänger- und Musikerensemble vollbringt eine beeindruckende Gesamtleistung in der jedes Detail stimmt. Für das Beiheft (mit deutschem Libretto-Abdruck) hat Andrew Huth einen ausgezeichneten Einführungstext verfaßt.

Clemens Höslinger [01.10.2000]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 S. Prokofjew Semyon Kotko (1939)
 
464 605-2;0028946460528

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