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CD-Besprechung

Gaetano Donizetti: Zoraida di Granata

Opera Rara 4 CD ORC 17

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 6

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 01.02.00

Opera Rara ORC 17

4 CD • 4h 25min • 1998

Zoraida di Granata, die im Januar 1822 in Rom uraufgeführte fünfte Oper Gaetano Donizettis, brachte dem damals gerade 24jährigen Maestro den ersehnten Durchbruch. Dabei waren die Begleitumstände der Premiere alles andere als erfreulich. Der Sänger der zweiten Tenorpartie mußte wegen einer geplatzten Ader kurzfristig durch eine Altistin ersetzt werden, die aber keine Zeit mehr hatte, die Arien zu lernen, so daß bei dieser Gelegenheit nur ein Torso zu Gehör kam. Für eine Wiederaufnahme am gleichen Theater unterzog Donizetti das Werk zwei Jahre später einer gründlichen Revision und schrieb dabei die Tenorrolle des Abenamet für eine Altistin um. Die Opera Rara Company präsentiert nun die komplette (und in dieser Vollständigkeit nie zur Aufführung gelangte) Erstfassung von 1822, ergänzt durch die 1824 hinzugefügten Nummern, die eine Spieldauer von achtzig Minuten ausmachen.

Die Gegenüberstellung der beiden Fassungen gibt recht anschaulich die Entwicklung des Komponisten wieder, der sich zunächst noch ganz unter dem Einfluß seines Lehrers Giovanni Simone Mayr befand (der ihm diesen Opernauftrag zugeschanzt hatte) und später ins Fahrwasser Rossinis geriet, der noch immer die Nummer 1 im italienischen Opernleben darstellte. Es sollten noch einige Jahre (und Opern) vorübergehen, bis Donizetti mit Anna Bolena ganz zu einem eigenständigen Stil fand. Doch das heißt beileibe nicht, daß Zoraida die Arbeit eines Schülers oder Epigonen ist. Sie läßt vielmehr in beiden Fassungen großes Talent und schon einige Originalität erkennen. Dabei wird es dem staunenden Hörer von heute nicht viel anders ergehen als den Zuschauern der beiden Premieren: Er wird der intimeren ersten Fassung den Vorzug geben vor der effektbewußten, sehr extrovertierten zweiten.

Die Handlung des "heroischen Melodrams" (so die Gattungsbezeichnung) spielt 1480 in Granada, der damals von den Spaniern bedrängten maurischen Hauptstadt. An der sehr operntypischen Geschichte von König Almuzir, der die Braut seines Generals Abenamet liebt und sich des Rivalen mit allen Mitteln entledigen will, ist vor allem die Schlußwendung interessant. Zoraida soll wegen angeblichen Hochverrats hingerichtet werden, falls sich niemand findet, der sie mit dem Schwert verteidigt. Da erscheint ein geheimnisvoller Ritter und bringt – ein Vorgänger Lohengrins? – ihren Ankläger und Verleumder zur Strecke. Doch nicht überirdische Mächte haben ihn gesandt, es ist niemand anders als Abenamet, der sich vor seinen König stellt, als dieser dem Volkszorn zum Opfer zu fallen droht. Das Happy End wird in der ersten Fassung mit einem kurzen Schluß-Ensemble gefeiert, 1824 mit einem schwungvollen Rondo-Finale Abenamets nach Vorbild der Cenerentola.

Die Wiedergabe ist auf einem hohen Niveau, setzt allerdings mehr auf den heroischen Tonfall als auf dramatische Spontaneität. David Parry breitet mit der Academy of St. Martin in the Fields die Pretiosen der Partitur mit einer Distinktion aus, die den italienischen Provinzorchestern, die sich sonst um den unbekannten Donizetti mühen, meist nicht zugänglich ist. Die Sänger sind durchweg auf der Höhe der Komposition. Majella Cullaghs klarer, klangschöner Sopran gerät allenfalls in den Koloraturen der Zweitfassung gelegentlich an Grenzen. Die zunehmend dunkler und breiter werdende Stimme von Bruce Ford, der sich auch als Almuzir wieder durch feine Phrasierung auszeichnet, kontrastiert sinnvoll zum helleren und schlankeren Tenor Paul Austin Kellys als Abenamet. Die mitreißendste Leistung erbringt jedoch dessen Double Diana Montague in der Zweitfassung, ein warmer und zugleich agiler Koloraturmezzo der Spitzenklasse. Schade, daß ihr das satte Altfundament etwas abgeht. Das Booklet enthält einen vorzüglichen Werkkommentar von Jeremy Commons. Wegen ihres hohen editorischen Ranges verdient diese Produktion in toto die höchste Bewertung.

Ekkehard Pluta [01.02.2000]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Donizetti Zoraida di Granata
 
ORC 17;0792938001722

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