Antonín Dvořák
String Quartets
Merel Quartet
Prospero Classical PROSP0135
1 CD • 75min • 2025
17.03.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
Das 2002 gegründete Merel Quartet, das in Zürich zu Hause ist, hat sich zwei späten Streichquartetten von Antonín Dvořák (1841 – 1904) zugewandt, einem Meister, der in seinem reichen Kammermusikschaffen immerhin vierzehn Quartette zu verzeichnen hat. Das Streichquartett in F-Dur op. 96, das sogenannte „Amerikanische“, gehört zu seinen oft gespielten Werken, das G-Dur-Quartett op. 106, seine letzte Kammermusik-Komposition, ist dagegen ein nicht so leicht zugängliches Stück.
Amerikanische Töne
Das 1893 in Dvořáks amerikanischem Ferienort Spilville, einer tschechischen Siedlung in Iowa, entstandene F-Dur Quartett lebt von seiner eingängigen Melodik, die von der amerikanischen Folklore zumindest beeinflusst ist, ähnlich wie die Sinfonie Aus der Neuen Welt op. 95, und von seiner tänzerischen Beschwingtheit, die auf die böhmischen Wurzeln des Komponisten verweist. Und diese Eigenschaften sind es auch, die der Interpretation durch die Geigerin Mary Ellen Woodside, den Geiger Edouard Mätzener, den Bratscher Alessandro D’Amico und den Cellisten Rafael Rosenfeld frischen Schwung und feine Kantabilität verleihen. Präzises Aufeinander-Hören und variable Dynamik sind die Markenzeichen des Merel-Quartetts, das den vier relativ kurzen und kurzweiligen Sätzen Profil gibt.
Ein kompliziertes Spätwerk
Das zwei Jahre später in der tschechischen Heimat komponierte G-Dur-Quartett ist ein für Hörer wie Spieler sehr anspruchsvolles Werk, das sich aus kleinen Bausteinen zu eindrucksvoller Größe aufbaut. Man mag an eine innere Verwandtschaft zu Brahms denken, wenn man die vier kunstvoll gestalteten Sätze hört. Dem Merel Quartet gelingt es, die komplexe Struktur durchsichtig zu machen und zugleich starke Spannung zu entwickeln. Der vielschichtige Kopfsatz, das eindringliche Adagio, das kontrastreiche Scherzo und das tänzerisch durchwirkte Finale werden farbenreich und energisch zugleich in Szene gesetzt.
Etwas seltsam muten dagegen die beiden „Zugaben“ an, die das Album abrunden sollen. Der Cellist hat den langsamen Satz aus der Sinfonie Aus der Neuen Welt für Streichquartett bearbeitet und dabei eine Kürzung vorgenommen, die im Booklet nicht einmal erwähnt wird. Und aus dem zwölfteiligen Quartett-Zyklus Zypressen, der auf frühe Lieder Dvořáks zurückgeht, wurde die Nummer 11, Allegro scherzando, herausgegriffen, die der Primgeigerin immerhin die Chance gibt, dieses „Lied ohne Worte“ ausdrucksvoll nachzusingen.
Das Booklet gibt auf Deutsch, Englisch und Französisch Auskunft über die Entstehung und Machart der beiden Streichquartette, die Zugaben werden nicht erwähnt. Und die Informationen über das Ensemble sind nur in englischer Sprache zu lesen.
Prof. Klaus Trapp [17.03.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Antonín Dvořák | ||
| 1 | Streichquartett Nr. 12 F-Dur op. 96 (Amerikanisches) | 00:26:16 |
| 5 | Nr. 11: Mein Herz liegt oft in Schmerzen (aus: Zypressen B 152 für Streichquartett (12 kurze Sätze für Streichquartett)) | 00:02:45 |
| 6 | Streichquartett Nr. 13 G-Dur op. 106 | 00:38:10 |
| 10 | Largo aus Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 (arr. Rafael Rosenfeld) | 00:07:29 |
Interpreten der Einspielung
- Merel Quartett (Streichquartett)
