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Besprechung CD

Claude Delvincourt

Musique de chambre Volume 2
Quintette Syntonia

CiAr Classics CC 016

1 CD • 64min • 2022

24.10.2024

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

So mancher wird überrascht sein, wenn er die beiden Kammermusikwerke von Claude Delvincourt (1888 – 1954) hört: Zwischen dem Klavierquintett von 1908 und dem Streichquartett von 1954 liegt eine erstaunliche Entwicklung vom Spätromantiker zum kühnen Modernisten. Der in Paris geborene Komponist studierte dort bei Boëllmann, Büsser und Widor am Konservatorium, das er später ab 1941 selbst leiten sollte. Die vom Quintette Syntonia mit Akribie und hohem Engagement eingespielten Aufnahmen bilden gleichsam den Rahmen seines Schaffens, das neben wenigen Kammermusiken Bühnenwerke, Orchesterstücke, Klaviermusik und Lieder umfasst.

Ein voluminöses Jugendwerk

Das Klavierquintett in cis-Moll erinnert mit seinen vier Sätzen, die nach klassischem Muster aufgebaut sind, ein wenig an die Tonsprache von Saint-Saëns oder Fauré, ohne deren Originalität zu erreichen. Man erlebt rauschende Klavierkaskaden und ausgreifende Streicherkantilenen, wobei sich der Pianist Romain David und die führende Geigerin Stéphanie Moraly besonders hervortun. Erst im groß angelegten Finale stellt sich so etwas wie ein persönlicher Tonfall ein, der den Hang Delvincourts zu Humor und Satire verrät, bevor das Werk, das hier in einer Welt-Premiere vorliegt, klangewaltig zu Ende geht.

Ein heftiger Schwanengesang

Das einzige Streichquartett ist zugleich Delvincourts letzte Komposition. Er starb bei einem Autounfall, als er zur in Rom geplanten Uraufführung unterwegs war, so dass er sein Stück niemals hörte. Schon der Beginn des ersten Satzes, der mit „con veemenza“, also Heftigkeit, bezeichnet ist, stürmt an die Grenzen der Tonalität. Dazu kommt eine polyphone Durchdringung der Motive, die den Verlauf unter Hochspannung setzt. Ganz anders gibt sich das Scherzo, das stellenweise fast schon Walzer-Stimmung aufkommen lässt. Das „Adagio estatico“ lebt von starken Kontrasten, die vom Syntonia-Ensemble dramatisch aufgeheizt werden. Im Finale herrschen rhythmische Eskapaden und vielfältige Spieltechniken bis hin zum versöhnlichen Schluss. Dieses Quartett lohnt also allein schon das Album, das dem ungewöhnlichen Komponisten wie den brillanten Musikern alle Ehre macht.

Das Booklet liegt nur in französischer und englischer Sprache vor, wobei biografische Angaben zum Komponisten und Erläuterungen zu seinen beiden Kammermusikwerken in einem langen Aufsatz zusammengefasst sind.

Prof. Klaus Trapp [24.10.2024]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Claude Delvincourt
1Quatuor à cordes 00:29:04
5Quintette pour piano et cordes 00:37:33

Interpreten der Einspielung

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