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Besprechung CD

Andreas Oswald

Sonatas
Capella Jenensis

cpo 555 478-2

1 CD • 68min • 2021

15.01.2024

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Wohl wenigen Spezialisten für die Musik um 1650 dürfte der Name des einstigen Weimarer und später Eisenacher Hoforganisten Andreas Oswald (1634-1665) bisher untergekommen sein, von dem einzig 18 Solo- und Ensemblesonaten erhalten sind. Abwechslungsreiche, virtuose, farbige und spannende Musik, die stilistisch der italienisch geprägten österreichischen Hofmusik um Antonio Bertali, J. H. Schmelzer nahe steht, gelegentlich wie eine Vorwegnahme H. I. F. Bibers klingt und von der Capella Jenensis brillant und stilsicher interpretiert wird.

Der Organist als Violinvirtuos‘

Organisten, die zugleich ausgezeichnete Geiger waren, gab es im Barock mehrfach. Man denke nur an Nicolaus Bruhns und J. S. Bach. Andreas Oswald, dessen Werke sich in einer repräsentativen Sammlung des Geraer Hofes, dem „Codex Rost“ überliefert sind, muss ebenfalls ein exzellenter Geiger gewesen sein, wovon seine beiden Solosonaten zeugen, die stilistisch in ihrer Chromatik und ihren virtuosen Anforderungen an Giovanni Antonio Pandolfi Mealli erinnern. Die größer besetzten Werke sind mit Streichern, Posaune, Fagott (recte Dulzian) und Basso Continuo ausgesprochen farbig instrumentiert. Wer allerdings mit dem spätbarocken in mehrere Sätze gegliederten Sonaten-Typus rechnete, sähe sich jedoch getäuscht. Der frühbarocke Sonaten-Typus ist einsätzig und wechselt dafür in seinen Affekten wesentlich schneller. Er erfordert, da Wendungen häufig überraschend sind, von den Spielern größere Reaktionsschnelligkeit. Darin ist er eine Weiterentwicklung des Canzonen-Typus, wie ihn Girolamo Frescobaldi pflegte. Interessant ist, dass „Adagio“ hier noch kein sehr langsames Tempo bezeichnet, sondern sich von „ad agio“ = „nach Belieben“, also „frei im Tempo“ ableitet. Auf diese Weise und zunächst über die Claviermusik färbte der Stil der Solomonodie auch auf die Instrumentalmusik ab.

Exzellente Interpretation

Ich habe schon lange keine so lustvoll-schlüssige Aufnahme von Instrumentalmusik des !7. Jahrhunderts mehr gehört. Die Rhythmen schwingen (Anspieltipp: Track 5), die Affekte sind mit perfektem Timing von Rubati wirklich einmal ausgespielt. Intonation, Artikulation und Phrasierung sind vorbildlich. Zusätzliche Farbe und Abwechslung bringt die mit Cembalo, Orgel, Theorbe und Violone reich besetzte Continuo-Gruppe. Somit erweist sich die Capella Jenensis erneut als Spitzenensemble der Alte-Musik-Szene.

Die Aufnahmetechnik stellt die einzelnen Instrumente klar in den Raum. Das Booklet ist vorbildlich, zumal der Autor des Texts, Carl-Philipp Kaptain, identisch mit dem Herausgeber der Sonaten beim Verlag ortus ist und als virtuoser Posaunist im Ensemble mitwirkt. Das Cover listet sein Instrument als „Sackbut“, um deutlich zu machen, dass es sich um ein eng mensuriertes Renaissance-Modell handelt.

Fazit: Spannende Stücke, höchst überzeugend musiziert. Wer mit der Musik des 17. Jahrhunderts etwas anfangen kann, muss sich diese Aufnahme unbedingt gönnen. Definitiv – auch als Stimmungsaufheller – empfohlen.

Thomas Baack [15.01.2024]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Andreas Oswald
1Sonata in G (à 4) 00:05:05
2Sonata in D (à 3) 00:05:13
3Sonata in a (à 2) 00:05:26
4Sonata in F (à 3) 00:05:30
5Sonata in D (à 3) 00:06:27
6Sonata in C (à 3) 00:04:06
7Sonata in e (à Violino Solo) 00:10:09
8Sonata in D (à 3) 00:04:45
9Sonata in G (à 2) 00:04:31
10Sonata in a (à 2) 00:06:38
11Sonata in D (à 3) 00:05:38
12Sonata ò verò Aria in A (à 2) 00:04:06

Interpreten der Einspielung

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